Konsolidierung der Marine-Branche
Chancen für eine europäische Werft-Allianz sinken

Die geplante Konsolidierung in der Marine-Branche gerät ins Stocken: Deutschland und Frankreich bewegen sich bei der Zusammenlegung der europäischen Marine-Werften eher voneinander weg als aufeinander zu. Warum die Deutschen ein Übergewicht des möglichen Partners fürchten.

PARIS/DÜSSELDORF. Diesen Schluss lassen Äußerungen von Spitzenmanagern der Branche zu. "Wir haben Alternativen zu den Deutschen", sagte Jean-Georges Malcor, Chef der Marine-Sparte des französischen Rüstungs- und Elektronikkonzerns Thales.

Thales ist bereits mit 25 Prozent industrieller Aktionär der ansonsten staatlichen Kriegsschiff-Werft DCNS und will seinen Anteil auf 35 Prozent aufstocken. Aus hochrangigen deutschen Industriekreisen verlautet, dass es indiskutabel sei, die deutsche Marine-Technik in einen Verbund einzubringen, der von französischer Seite dominiert werde.

Erst vor kurzem geisterten durch die französische Presse Meldungen, denen zufolge die deutsche Bundesregierung ihre Zustimmung zu einem Heranrücken von Frankreichs DCNS an Thyssen Marine Systems-Krupp (TKMS) gegeben habe. Eine TKMS-Sprecherin wies diese Darstellung zurück: "Es gibt keine Gespräche." Laut deutschen Industriekreisen bleibt der größte Stolperstein für eine deutsch-französische Marine-Fusion, dass der französische Staat hierbei zu viel Einfluss bekommen könnte.

In einem Punkt herrscht Einigkeit: Europa leistet sich zu viele Anbieter und Standorte für Kriegsschiffe. So gibt es in Europa sechs Marine-Spezialisten mit rund 20 Werften, in den USA sind es nur zwei Gesellschaften mit insgesamt sechs Standorten. Schon 2004 hatte der nun scheidende DCNS-Chef, Jean-Marie Poimboeuf, im Handelsblatt den Anstoß für eine "maritime EADS" gegeben. Passiert ist seitdem wenig.

Gleichwohl ist die Konsolidierung fortgeschritten: Thales ist als industrieller Großaktionär bei DCNS eingestiegen; damit bündelt Frankreich sein Marine-Know-how in einem Pool, der vom Staat kontrolliert wird. Denn auch bei Thales ist der Staat mit 27 Prozent Großaktionär und hält zudem eine "goldene Aktie", um eine Übernahme zu verhindern. In Deutschland hatte Thyssen-Krupp im Januar 2005 die Howaldtswerke Werft-Deutsche (HDW) übernommen, die vor allem für ihre U-Boote bekannt ist.

Seite 1:

Chancen für eine europäische Werft-Allianz sinken

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%