Konsolidierung
Ehe mit Fiat birgt Risiken

Noch vor wenigen Jahren stand es um den italienischen Fiat-Konzern alles andere als gut, doch mit der Machtübernahme durch Sergio Marchionne gelang die Wende. Mit der geplanten Übernahme von Chrysler und Opel geht der Konzern nun in die Offensive. Unklar ist, ob Fiat den enormen finanziellen Aufwand überhaupt schultern kann.

DÜSSELDORF. Dass sich jetzt ausgerechnet der italienische Fiat-Konzern zum Konsolidierer in der internationalen Automobilindustrie aufschwingt, ist für die meisten Beobachter eine faustdicke Überraschung. Denn vor wenigen Jahren galt der italienische Krisenkonzern selbst noch als potenzieller Pleitekandidat. Doch unter der Führung von Sergio Marchionne gelang die Wende. Im Jahr 2008 erwirtschaftete Fiat bei einen Gruppenumsatz von 59,4 Mrd. Euro ein operatives Ergebnis vor Sonderfaktoren von 3,4 Mrd. Euro - eine Verbesserung gegenüber dem Jahr 2006 von mehr als 70 Prozent.

Allerdings reicht der aktuelle Absatz von gut 2,2 Millionen Fahrzeugen nach Überzeugung von Marchionne und auch den meisten Branchenexperten bei weitem nicht aus, um das langfristige Überleben der Autosparte zu sichern. Deshalb tritt Marchionne die Flucht nach vorn an und versucht mit Chrysler in den USA und Opel/Vauxhall in Europa gleich zwei angeschlagene Konkurrenten zu übernehmen.

Das strategische Ziel dahinter: Ein neuer Fiat-Chrysler-Opel-Konzern käme auf eine Stückzahl von gut 5,3 Millionen Fahrzeuge. Zumindest auf dem Papier erreichte Fiat damit schon fast die von Experten bereits vor Jahrzehnten definierte Mindestgröße von 5,5 Millionen Einheiten, die erforderlich ist, um die beträchtlichen Entwicklungskosten in der Automobilbranche besser verkraften zu können.

Die Frage ist allerdings, ob Fiat den mit der notwendigen Sanierung von Chrysler und Opel verbundenen enormen finanziellen Aufwand überhaupt schultern kann. Es kommt hinzu: Erst Ende März haben die internationalen Rating-Agenturen Standard & Poor?s und Moody?s die Bonität Fiats von einem soliden Investmentgrade auf den Status von unsicheren Schuldnern zurückgestuft und den Ausblick wegen der anhaltenden Branchenkrise auf negativ gesenkt.

Im Klartext bedeutet dies, dass die künftige Refinanzierung Fiats über den Kapitalmarkt deutlich teurer wird. Allein in diesem Jahr werden Verbindlichkeiten in Höhe von 4,5 Mrd. Euro fällig. Dass der Konzern derzeit alles andere als auf Rosen gebettet ist, zeigt der Finanzstatus zum Ende des ersten Quartals 2009: Per Ende März bezifferte Fiat die Nettoschulden (flüssige Mittel minus Finanzschulden) des Gesamtkonzerns mit 18,8 Mrd. Euro. Das entsprach einer Steigerung um fast fünf Prozent gegenüber Ende 2008. Die Nettoschulden des Industriegeschäfts, das im wesentlichen die Pkw- und Nutzfahrzeugsparte Fiats umfasst, erhöhten sich sogar um zehn Prozent auf knapp 6,6 Mrd. Euro. Doch gibt es auch einen Lichtblick: Der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft, der im Gesamtjahr 2008 noch bei minus 442 Mio. Euro lag, drehte im ersten Quartal auf plus 227 Mio. Euro.

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