Konsolidierung
Toshiba kündigt rasche Trendwende an

Der japanische Mischkonzern Toshiba will zurück in die schwarze Zahlen - und geht auf Sparkurs. Den Mitarbeitern steht eine schwere Zeit bevor. Wie Konzernchef Norio Sasaki die Führungskräfte auf seinen Zukunftsplan einschwört.

TOKIO. Der neue Chef des japanische Elektrokonzerns Toshiba verspricht ein sparsameres und zielgerichteteres Management als sein Vorgänger. "Wir wollen so schnell wie möglich in die schwarzen Zahlen zurückkehren und nachhaltig wachsen, indem wir profitable Geschäftsbereich auswählen und uns auf sie konzentrieren", sagte Firmenpräsident Norio Sasaki in Tokio.

Das bedeutet eine Abkehr vom Kurs des früheren Firmenchefs Atsutoshi Nishida, der selbst zu Beginn der Krise noch einmal kräftig zulangte. Er kaufte Sony eine Halbleiterfabrik und Fujitsu die Hälfte der Festplattensparte ab. Die ohnehin schon unterbeschäftigte Halbleitersparte ließ er aufstocken. Seit einem guten Monat ist nun Sasaki als Nachfolger im Amt. Im vergangenen Geschäftsjahr machte Toshiba eine Verlust von 1,8 Mrd. Euro, im laufenden Jahr will Sasaki einen Gewinn von 730 Mio. Euro erreichen. Toshiba macht jährlich 50 Mrd. Euro. Umsatz.

Sasaki stellte eine Reihe von Prinzipien vor, mit denen er wieder ins Plus kommen will. Er will die Produkte seines Unternehmens in zwei Klassen trennen: in preiswerte Allerweltsware sowie mittel- bis hochklassige Waren. Die Allerweltsware, beispielsweise kleinere Fernseher, sollen seine Ingenieure kostensparend entwickeln und nach Möglichkeit ganz von Billiganbietern zukaufen. Auch Mini-PCs könnten in diese Kategorie fallen. Bei den Edelprodukten - etwa großformatigen Fernsehern - soll das Unternehmen genau auswählen, welche davon am meisten Geld bringen, und sich voll auf darauf konzentrieren, dem Kunden hier maximale Qualität zu liefern.

Bei Vorstellung des neuen Managementplans vor Journalisten kam Sasaki in fast keinem Satz ohne Vokabeln wie "entschlossen", "hart" oder "zielbewusst" aus. Bis Jahresende will er 2,2 Mrd. Euro an Einsparungen aus seinem Unternehmen pressen. Im ersten Quartal hat er sein Zwischenziel bereits übertroffen - unter anderem durch Entlassung von Mitarbeitern. Sasaki glaubt, dass sich die Effizienz in dem weit verzweigten Mischkonzern noch deutlich steigern lässt. Die operative Gewinnmarge soll vom derzeit negativen Wert bis 2011 auf 4,4 Prozent steigen.

In der verlustbringenden Halbleitersparte will Sasaki Kapazitäten abbauen und Toshibas Führungsstellung bei Nand-Speichern erhalten. Diese Bausteine kommen in Digitalkameras oder USB-Sticks zum Einsatz. Auch hier will Sasaki zwischen einem Premiumsegmet mit schnellen Chips für Smartphones und einem Massenmarkt mit einfacheren Modellen trennen lassen. Das Geld soll hauptsächlich der höherpreisigen Bereich bringen.

Besonders ehrgeizige Pläne hat Sasaki für die Kraftwerkssparte. Er selbst kommt im Konzern aus dem Nukleargeschäft. Auch hier will er zunächst die Kosten senken, indem er verbliebene Doppelarbeit der entsprechenden Toshiba-Sparte mit dem US-Zukauf Westinghouse abbauen lässt. Bis 2015 will er im laufenden Atomboom Aufträge für mindestens 39 Reaktorblöcke an Land ziehen - jeder davon ein Milliardenprojekt. Die entsprechende Sparte "soziale Infrastruktur" soll bis 2011 auf einen Umsatz von 23 Mrd. Euro kommen und eine Marge von 6,5 Prozent abliefern.

Auch an heilige Kühe wagt sich Sasaki heran. Er will die Forschungs- und Entwicklungskosten von derzeit 8,5 Mrd. Euro um 4,5 Prozent senken lassen. "Das muss nicht zu Lasten neuer Produkte gehen", verspricht der 60-jährige Firmenchef. "Wir erhöhen statt dessen die Effizienz in der Forschung und räumen unverdrossen mit Verschwendung auf."

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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