Konsolidierungswelle
Bergbau-Konzerne stärken sich für schwache Zeiten

Die Konsolidierungswelle bei den Bergbaukonzernen ist im vollen Gange. Fast täglich kommen Nachrichten von Milliardenfusionen wie die Übernahmepläne von Alcoa und Alcan. Auch über ein mögliche Fusion von BHP Billiton und Rio Tinto gehen Gerüchte um. Doch damit kämpfen die Konzerne vor allem gegen die Angst vor Achterbahnfahrten.

HB BERLIN. Fast täglich machen Nachrichten über neue Milliardenfusionen im Bergbausektor die Runde: Der US-Alu-Gigant Alcoa will für 27 Mrd. Dollar den Rivalen Alcan schlucken, Weltmarktführer BHP Billiton peilt Gerüchten zufolge nun sogar für 100 Mrd. den Kauf der Nummer Zwei Rio Tinto an. Damit hat die Fusionswelle auch die Großen der Branche voll erfasst. Nach einer jahrelangen Bonanza mit Rekordgewinnen wollen sich die Multis durch Zukäufe bereits gegen den nächsten Abschwung rüsten.

„Die Übernahmen haben sich nach oben verlagert“, sagt Branchenexperte Jürgen Koch von ABN Amro. Traditionell bestehe in der Rohstoffbranche folgende Arbeitsteilung: Kleine, hoch spezialisierte Firmen suchen nach neuen Erzvorkommen oder Erdöllagerstätten und werden, sobald sie etwas gefunden haben, von den Multis aufgekauft. Diese wiederum verfügen über genügend Geld, um die Vorkommen auch auszubeuten.

Nun dürfte neben dem Erschließen neuer Vorkommen ein zweites Ziel dazu gekommen sein: Durch die schiere Größe könnten sich die Firmen gegen allzu heftige Schwankungen absichern. „Die Zyklen sind in der Rohstoffbranche sehr viel stärker ausgeprägt, stärker als bei den meisten anderen Industrieprodukten“, erklärt Michael Bräuninger vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Derzeit befinden sich die Kurse für viele Rohstoffe auf Rekordständen - so ist Nickel so teuer wie nie zuvor, der Preis für Kupfer hat sich in den vergangenen beiden Jahren vervielfacht. Auch Edelmetalle - zur Zeit des Börsenbooms zur Jahrtausendwende noch verschmäht - erleben eine Renaissance.

Mit einer entsprechenden Marktmacht könnten sich daher die Anbieter - seien es einzelne Unternehmen oder gar Länder - gegen Zyklen absichern, um so länger von den hohen Preisen zu profitieren. Bei einzelnen Rohstoffen sei dies bereits gelungen, sagte Bräuninger. Das wohl bekannteste Monopol ist das der OPEC, die über gewaltige Erdölreserven verfügt. Begünstigt werden diese Monopole dadurch, dass viele Rohstoffe nur in bestimmten Regionen vorkommen: Zinn ist zum Beispiel praktisch nur in Südostasien und Bolivien zu finden, Kupfer in erster Linie in Lateinamerika und darüber hinaus in anderen Pazifik-Anrainer-Staaten.

Grund für die anhaltend hohen Preise ist vor allem die ungebrochene Nachfrage aus China oder Indien. Dazu kommen Produktionsunterbrechungen, etwa durch Streiks. Viele Vorkommen liegen zudem in politisch instabilen Ländern, meint Bräuninger. So werden etwa in lateinamerikanischen Staaten wie Venezuela oder Bolivien Vorkommen verstaatlicht. Viele westliche Investoren halten sich daher mit dem Bau neuer Förderanlagen zurück. Die hohen Preise hätten zwar eine Ausweitung des Angebots bewirkt, doch sei diese hinter der rasant wachsenden Nachfrage zurück geblieben. Inzwischen seien bei etlichen Industrierohstoffen die Lager so gut wie leer geräumt. „Mittelfristig spricht daher einiges dafür, dass die Preise ihr Niveau halten“, betont Bräuninger.

Langfristig müssen sich die Konzerne jedoch auf härtere Zeiten einstellen. Nach Einschätzung Bräuningers dürften sich die Länder, die bislang Rohstoffe gekauft haben - allen voran China - zunehmend selbst Zugang zu Reserven beschaffen. Bis dahin aber dürfte die Fusionswelle weiterhin durch die Branche rollen. „In einem zersplitterten Markt wird aufgeräumt“, meint Koch.

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