Konsumgüter
Pfusch aus Fernost

Die Rückrufaktion des US-Konzerns Mattel von gefährlichen Spielsachen aus China schreckt weltweit Handel und Hersteller auf. Viele von ihnen lassen im Reich der Mitte produzieren, doch die Kontrollen weisen große Lücken auf. Der Handel ist alarmiert. Einige Einzelhändler griffen bereits zu drastischen Maßnahmen.

and/cs/iw DÜSSELDORF/PEKING. Chemieverseuchte Zahnpasta in spanischen und amerikanischen Supermarktregalen, vergiftetes Tierfutter, gefälschte Arzneimittel - und jetzt noch gefährliches Spielzeug mit bleihaltigem Anstrich und losen Magneten für den US-Konzern Mattel: Chinas Ruf als zuverlässige Werkbank der Welt ist ramponiert. Der Rückruf von 18 Millionen Spielzeugartikeln durch Mattel sei die größte Aktion dieser Art seit vielen Jahren, berichten deutsche Handelsexperten.

"Ein dramatischer Warnschuss", sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Euro-Handelsinstituts in Köln, das von Handel und Markenindustrie getragen wird. Mit der Rückholaktion werde die Diskussion über die Sicherheit von in Fernost hergestellten Waren sicherlich nicht zu Ende sein. Entsprechend alarmiert ist der Handel. "Wir werden Anfang des nächsten Jahres dem British Retail Consortium beitreten, das schon vor dem Produktionsbeginn die Lieferanten nach harten Qualitätsstandards zertifiziert", kündigte gestern ein Sprecher des Düsseldorfer Metro-Konzerns an.

Einzelhändler in anderen Ländern gingen sogar einen Schritt weiter. In Neuseeland räumte der börsennotierte Marktführer Warehouse Group nach der Rückrufaktion von Mattel sämtliche chinesischen Spielzeugartikel aus den Regalen. Beim Möbelhaus Ikea indes, wo man zuletzt Glasvasen, schlecht verleimte Kinderbetten und holzschutzmittelbelastete Billy-Regale in die Läden zurückgeordert hatte, gab man sich auf Anfrage hingegen gelassen. "Wir sehen keinen Anlass für eine schnelle Reaktion", sagte ein Sprecher.

Dabei können Pannen bei der Produktsicherheit selbst große Konsumgüterkonzerne in die Knie zwingen. Die Metro-Supermarkttochter Real hat sich bis heute nicht von dem Geschäftseinbruch erholt, den vor zwei Jahren ein Skandal um falsch etikettiertes Hackfleisch auslöste. Die Drogeriemarktkette Schlecker verlor vor Jahren das Vertrauen der Verbraucher, als mit Lindan verseuchte Babynahrung im Eigenmarken-Sortiment gefunden wurde. Selbst unbestätigte Gerüchte um angebliche Salmonellen in Teigwaren brachten den schwäbischen Nudelhersteller Birkel an den Rand einer Pleite. "Für uns ist es überlebenswichtig, eine gute Qualität zu bieten", heißt es beim Mattel-Konkurrenten Ravensburger. "Da geht es um unseren Ruf."

Offiziell gibt sich die Branche beim Thema Sicherheit selbstbewusst. Es gebe relativ selten Probleme, sagt Ulrich Brobeil, Justiziar des Verbandes der Spielwarenindustrie. Schon seit 1990 halte man sich an die einheitlichen Vorschriften in der Europäischen Union für den Import von Spielwaren, die in der so genannten Richtlinie DIN 71 zusammengefasst sind. Hier sei klar festgelegt, welche Materialien verwendet werden dürfen und wie sie zusammengesetzt sein müssen. Der deutsche Spielwarenverband selbst biete einen Qualitätskontrollen-Service für seine mehr als 200 Mitgliedsfirmen an, zu denen auch Mattel gehört.

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