Kontinuität an der Führungsspitze
Bayer erwägt längere Amtszeit von Wenning

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer erwägt offenbar eine Verlängerung der Amtszeit von Vorstandschef Werner Wenning. Eigentlich würde sein Vertrag 2010 auslaufen, jetzt wird im Aufsichtsrat über eine weitere Amtszeit Wennings nachgedacht.

HB FRANKFURT. Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer erwägt offenbar eine Verlängerung der Amtszeit von Vorstandschef Werner Wenning. In einer wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise schwierigen Zeit seien Stabilität und Kontinuität an der Führungsspitze des Traditionskonzerns ein wichtiger Faktor, sagten mehrere Personen aus dem Bayer-Umfeld der Nachrichtenagentur Reuters. „Solche Überlegungen sind im Gange. Darüber wird bei Bayer ernsthaft nachgedacht“, sagte ein Insider. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Bayer wollte sich dazu nicht äußern.

Wenning, der im Oktober 63 Jahre alt wird, leitet den Konzern seit April 2002. Da sein Vertrag zur Hauptversammlung 2010 endet, muss der Aufsichtsrat bald über die Besetzungsfrage entscheiden. Mit einer Vertragsverlängerung würde Bayer den gleichen Weg gehen wie die Deutsche Bank, die Vorstandschef Josef Ackermann (61) im April überraschend für drei weitere Jahre bis 2013 im Amt bestätigte. Auch hier war ein Grund, die Bank in der Finanz- und Wirtschaftskrise unter bewährter Führung zu lassen.

Wenning gilt als krisenerprobt, die Konzernstruktur mit den Geschäftsbereichen HealthCare (Gesundheit), CropScience (Agrochemie) und MaterialScience (Kunststoffe) trägt seine Handschrift. Das Ruder übernahm Wenning, als Bayer durch die Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay vom Markt in Bedrängnis geraten war. Daraufhin wurde unter seiner Führung das Pharmageschäft neu ausgerichtet.

Wenning gliederte zudem große Teile des Chemie- und Polymergeschäftes in eine Gesellschaft aus, aus der der börsennotierte Chemiekonzern Lanxess entstand. Ein weiterer großer Wurf gelang Wenning 2006 mit der Übernahme des Berliner Arzneimittelherstellers Schering.

Während die Gesundheitssparte und auch der Agrochemiebereich sich in der Wirtschaftskrise gut halten, bekommt MaterialScience die Rezession mit voller Wucht zu spüren. Im zweiten Quartal war der operative Spartengewinn um zwei Drittel eingebrochen, im Auftaktquartal hatte Bayer hier sogar tiefrote Zahlen geschrieben.

Bayer erwirtschaftet derzeit rund ein Fünftel seines Umsatzes mit Kunststoffen, die in der Autobranche und der Bauwirtschaft eingesetzt werden. Der Konzern hat bereits Anlagen zeitweilig stillgelegt und Wartungsarbeiten vorgezogen. Zudem arbeiten die Mitarbeiter der Sparte in Deutschland seit Februar sieben Prozent weniger in der Woche und bekommen entsprechend weniger Geld.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%