Konto in Liechtenstein
Mehr Schmiergeld bei Siemens

Siemens steht unter Druck. Weltweit nehmen Behörden den Konzern unter die Lupe. Erst vor zwei Monaten wurden zwei ehemalige Manager verurteilt, jetzt wurde ein neues Konto entdeckt, über das Millionen Euro geflossen sein sollen. Der Korruptionsskandal wird zu einem immer höheren Risiko für den Konzern.

cha/jojo MÜNCHEN. Offenbar haben sich die Mitarbeiter des Konzerns in größerem Maße als bislang bekannt schwarzer Kassen bedient. Dies geht aus einem von Siemens vorgelegten Bericht über die Rechtsstreitigkeiten des Unternehmens hervor.

Siemens räumte ein, dass auch außerhalb des bisher betroffenen Bereichs Com (Kommunikation) ein verdecktes Finanzierungssystem existierte. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen liegen die fraglichen Beträge in Millionenhöhe. Sie sind über ein Konto in Liechtenstein, das der Siemens-Bericht nennt, geflossen. Jetzt sei klar, dass es sich um ein breit angelegtes System handele, hieß es dort. Weitere personelle Konsequenzen in der Spitze seien unabwendbar. Im Aufsichtsrat soll davon aber noch nicht die Rede gewesen sein.

In dem Bericht heißt es, man sei bei der Überprüfung weiterer Geschäftsbereiche auf dubiose Zahlungen gestoßen, deren Volumen deutlich über dem Betrag von 420 Mill. Euro liegt, den Siemens Ende vergangenen Jahres genannt hatte. Dabei geht es um Gelder, die offiziell für Beratungsleistungen abgerechnet und auf spezielle Konten überwiesen wurden. Tatsächlich wurde das Geld eingesetzt, um Aufträge zu bekommen.

Dass Schmiergeldzahlungen bei Siemens keine Einzelfälle waren, belegt auch ein Urteil des Frankfurter Landgerichts. Dort wurde am Donnerstag ein Ex-Mitarbeiter der Gebäudetechniksparte SBT zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 44-jährige Manager hat gestanden, dass er Scheinrechnungen über mehrere hunderttausend Euro ausgestellt hat.

Im ersten deutschen Prozess zu den Korruptionsaffären bei Siemens hatte das Landgericht Darmstadt vor zwei Monaten zwei frühere Manager des Konzerns zu Bewährungsstrafen verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Manager bis 2002 an Mitarbeiter des italienischen Energiekonzerns Enel sechs Mill. Euro Schmiergeld gezahlt hatten.

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