Konzentration auf die ertragreichsten Anbaugebiete geplant
Südzucker profitiert von Osteuropa-Geschäft

Europas größter Zuckerproduzent Südzucker hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bis Ende Mai bei stagnierendem Umsatz mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Für den siebenprozentigen Gewinnzuwachs verantwortlich war vor allem der Ausbau des Geschäfts in Osteuropa. Die bevorstehenden Änderungen der EU-Zuckermarktordnung lasten aber weiter auf der Aktie.

HB MANNHEIM. Das Betriebsergebnis habe sich zwischen März und Mai auf 121,9 (Vorjahresquartal: 114) Mill. € verbessert, teilte Südzucker am Donnerstag in Mannheim mit. Befragte Analysten hatten dem Unternehmen nur eine Steigerung auf 118,3 Mill. € zugetraut. Den Zuwachs führt Südzucker vor allem auf den Aufwärtstrend in Osteuropa zurück. Zehn Länder gehören dort seit 1. Mai zur Europäischen Union (EU) und fallen damit unter den Geltungsbereich der EU-Zuckermarktordnung, die Preise deutlich über dem Weltmarktniveau garantiert.

Auch für den Rest des Geschäftsjahres (zum 28. Februar) ist Südzucker optimistisch. Der positive Trend im Osten Europas soll sich in den nächsten drei Quartalen noch verstärken. Vor dem EU- Beitritt hatte dort ein Preiskrieg getobt, der sich inzwischen gelegt hat. „Insgesamt erwarten wir eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses und damit eine Fortsetzung des Wachstumstrends der Vorjahre“, hieß es im Zwischenbericht von Südzucker. Finanzvorstand Christoph Kirsch hatte im Mai von Zuwachsraten von zehn bis 15 % gesprochen. Bereits damals hatte er erklärt, das Zuckergeschäft in Schlesien und anderen Ländern der Region werde die Einbußen durch die schlechte Ernte 2003 in Westeuropa mehr als wettmachen.

Der Konzernumsatz von Südzucker stagnierte in den ersten drei Monaten bei 1,125 (1,124) Mrd. € und blieb hinter den Prognosen zurück. Der Rückgang im Spezialitäten-Geschäft mit Fruchtzubereitungen, Fertigpizza und Lebensmittelzusätzen um 1,4 % sei aber abrechnungsbedingt, hieß es. Tatsächlich sei der Umsatz um zehn Prozent gestiegen. Der Konzernüberschuss nach Steuern kletterte - gegenüber dem um die nicht mehr regelmäßig notwendigen Firmenwert-Abschreibungen bereinigten Vorjahreswert - um 3,5 % auf 75,7 Mill. €.

Auf die drohenden Einbußen durch radikale Änderungen im EU- Preis- und Subventionssystem, die die EU-Kommission am Mittwoch beschlossen hatte, will Südzucker durch eine Konzentration auf die ertragreichsten Anbaugebiete reagieren. Parallel dazu soll das - von der Marktordnung unabhängige - Spezialitätengeschäft durch weitere Akquisitionen ausgebaut werden. Im ersten Quartal erwirtschaftete Südzucker damit 27,5 % des Umsatzes. EU- Agrarkommissar Franz Fischler will den Interventionspreis von Mitte 2005 an um ein Drittel kürzen. Mit einer endgültigen Entscheidung rechnen Experten im ersten Halbjahr 2005.

Die Südzucker-Aktie gab am Donnerstag um 3,7 % auf 15,69 € nach. Das liege aber nicht an den Quartalszahlen, die im Rahmen der Erwartungen lägen, sagten Analysten. Vielmehr sei die Aktie durch die Zuckermarktordnung belastet. „Und das wird sich auch das nächste halbe Jahr nicht ändern“, betonte Analyst Christian Bruns von Sal. Oppenheim. Kaum ein Unternehmen aus der Branche sei noch so stark vom Zucker abhängig wie Südzucker. Der Konzern könne durch den möglichen Zukauf frei werdender Quoten aus Ländern, wo sich die Produktion nicht mehr lohne, durchaus von der Reform profitieren, gab Iris Schäfer von der Landesbank Baden-Württemberg zu bedenken. „Insgesamt bestehen gute Chancen, dass Südzucker die negativen Folgen der Reform gut auffangen kann“, schrieb sie in einer Studie.

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