Konzern-Allianz
EADS sucht Nähe zu Finmeccanica

Der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und die italienische Finmeccanica wollen noch enger zusammenrücken. EADS-Co-Chef Louis Gallois und der Chef des italienischen Luft- und Raumfahrtkonzerns, Pier Francesco Guarguaglini, planen offenbar eine umfassende Allianz beider Unternehmen.

kk/fas MÜNCHEN/MAILAND. „Eine engere Kooperation liegt im natürlichen Interesse beider Unternehmen“, sagte ein EADS-Sprecher in München. Finmeccanica wollte die Gespräche nicht kommentieren, verwies jedoch darauf, dass Firmenchef Guarguaglini Kooperationen in der Branche offen gegenüberstehen.

Finmeccanica befindet sich noch zu einem Drittel in Staatsbesitz. Die enge Verbundenheit des ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi mit der US-Regierung hat zu engen Banden mit der US-Industrie geführt. Finmeccanica ist Partner des EADS-Konkurrenten Boeing. Und George Bush bestellte seine neuen Präsidentenhubschrauber bei der Finmeccanica-Tochter Agusta-Westland. Dass die neue Regierung unter Romano Prodi viel europafreundlicher ist, dürfte eine Hinwendung zur EADS erleichtern, heißt es in Rom.

Dabei ist das Verhältnis von Finmeccanica zu EADS komplex und typisch für eine Branche, in der Partner gleichzeitig Konkurrenten sind. So stehen die beiden Hubschraubertöchter Eurocopter und Agusta-Westland in einem beinharten Wettbewerb. Auch im Satellitengeschäft stehen die Zeichen eher auf Konfrontation: Die Italiener haben ihr Geschäft in Alcatel zusammengeführt und bei dem französischen Elektronikriesen Thales untergebracht, EADS ist bei diesem Deal zähneknirschend außen vor geblieben. Auch beim Satellitenprojekt Galileo traten die Unternehmen zunächst in unterschiedlichen Konsortien an, müssen aber nun nach dem Willen der Europäischen Kommission zusammenarbeiten.

Genauso lang ist die Liste der erfolgreichen Kooperationen, nicht nur beim Kampfflugzeug Eurofighter. Mit ATR unterhalten beide Konzerne ein Joint-Venture zum Bau von Regionalflugzeugen. Die einstige Krisentochter mit Sitz in Toulouse ist dank der verbrauchsarmen Turboproptechnik im Aufwind und auf Jahre ausgebucht. Da sowohl EADS als auch Finmeccanica ihre Präsenz in Osteuropa und China ausbauen wollen, böte sich ATR für eine weitere Expansion an. Dem Ansinnen der Italiener, die Turboprop-Tochter ganz zu übernehmen, stieß bei EADS aber bislang auf wenig Gegenliebe.

Das gilt bislang auch umgekehrt für die Pläne von EADS, die Mehrheit beim Lenkwaffenhersteller MBDA zu kaufen. An dem Gemeinschaftsunternehmen sind EADS und BAE Systems mit je 37,5 Prozent beteiligt, die Italiener halten noch 25 Prozent. „Theoretisch wäre auch ein Tausch der Beteiligungen möglich“, sagt Analyst Gabriele Gambarova von der Rasbank. „Kooperationen sind vor allem bei der zivilen Luftfahrt sinnvoll“, sagt der Analyst.

Obwohl die Italiener keine Airbus-Partner sind, könnten sie in Zukunft durchaus eine wichtigere Rolle bei der EADS-Flugzeugtochter spielen. Denn die kriselnde Flugzeugtochter will in Zukunft viel stärker auf Partnerschaften setzen. So sucht Gallois Partner für die Entwicklung des Langstreckenflugzeuges A 350, über dessen Bau EADS in den kommenden Wochen entscheiden will.

Sollte das neun Milliarden Euro teure Projekt genehmigt werden, soll die Fertigungstiefe bei Airbus drastisch gesenkt werden. Das könnte auch über die Ausgliederung von Komponentenwerken geschehen. Denn die EADS prüft noch, wie viele der 16 Airbus-Werke sie in Zukunft behalten will. „Wenn es ein Spottpreis ist, sollte man sich das überlegen. Ansonsten ist Finmeccanica mit Boeing als Partner derzeit besser beraten“, sagt Analyst Gambarova.

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