Konzern als Herz der Rüstungs-Konsolidierung
Berlin sieht EADS in entscheidender Rolle

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS soll nach Überlegungen der Bundesregierung sein Portfolio ausweiten. Damit fällt ihm eine Schlüsselrolle bei der Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie zu.

BERLIN/DÜSSELDORF. Der Luftfahrt- und Verteidigungskonzern EADS könnte zur Mutterholding fast aller Rüstungsgeschäfte in Frankreich und Deutschland werden. Über ein solches Modell wird nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen in Berlin nachgedacht. Dem deutsch-französischen Unternehmen käme dabei eine Schlüsselrolle bei der Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie zu. Insbesondere könnte EADS sowohl das Dach für die Geschäfte des französischen Rüstungselektronikkonzerns Thales wie für die fusionierte deutsche Heeres- oder Werftenindustrie bilden.

Der Charme des Modells liegt nach Ansicht der Strategen in Berlin darin, dass es den Interessen verschiedener europäischer Partner Rechnung trägt. So wäre die Maßgabe der Bundesregierung berücksichtigt, dass es beim deutsch-französischen Gleichgewicht in der EADS bleiben muss. Dies käme auch den Wünschen Frankreichs und des Thales-Managements entgegen, die sich um Partner für den Elektronikkonzern bemühen.

Die politischen Überlegungen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt für die Branche: Die europäische Rüstungsindustrie steckt im Umbruch. Während sich bei EADS ein Führungswechsel abzeichnet, schmieden nicht nur Sicherheitspolitiker Pläne für die Zukunft der Branche, auch die Konzernstrategen spielen Szenarien durch. Sicher dabei ist: „Vor allem im Heeres- und Marinesektor wird sich in der nächsten Zeit viel verändern“, sagt Sascha Lange von der Stiftung für Wissenschaft und Politik.

Der Rüstungsexperte sieht gute Gründe für eine Expansion der EADS: „Wenn im nächsten Jahrzehnt das Eurofighter-Programm ausläuft, gehen bei der EADS auch die Umsätze in der militärischen Luftfahrt zurück. Da ist es sinnvoll, in anderen Rüstungsbereichen zu wachsen.“ Vorbilder gibt es genug; nicht nur die US-Konzerne wie Lockheed Martin haben sich in den neunziger Jahren breit aufgestellt, mit der Übernahme des Panzerbauers Alvis hat auch BAE-Systems diesen Weg eingeschlagen.

Das Berliner Modell passt zum strategischen Ziel der EADS, ihr militärisches Standbein zu stärken. Zwar hat der Konzern stets betont, man wolle „keine Panzer und Schiffe“ bauen. Die EADS könnte künftig aber eigenständigen Gesellschaften vorstehen und drei oder vier unterschiedliche Standbeine haben. Die Holding- Töchter wären weiter selbstständig und wie Thales und Rheinmetall an der Börse notiert. EADS will ohnehin beim deutschen Werftenverbund einsteigen.

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