Konzern betrachtet Durchsuchung als illegal
Ölkonzern Yukos hat die Polizei im Haus

Die russische Polizei hat am Freitag überraschend ein Moskauer Büro des russischen Ölkonzerns Yukos durchsucht und damit erneut das Unternehmen des einflussreichen Oligarchen Michail Chodorkowski ins Visier genommen.

Reuters MOSKAU. Rund 20 teils bewaffnete und vermummte Polizisten hätten in dem Büro in der Nähe der Yukos-Firmenzentrale Unterlagen durchsucht, sagte ein Anwalt des Unternehmens der Nachrichtenagentur Reuters. Yukos habe keine Dokumente versteckt und betrachte die Durchsuchung als illegal. Die Behörden begründeten den Schritt mit laufenden Untersuchungen zu einem Privatisierungsgeschäft aus den 90er Jahren. Politiker und Analysten haben jedoch den Vorwurf erhoben, dass bereits vorige Woche eingeleitete Schritte gegen den Yukos-Konzern politisch motiviert seien und sich primär gegen Chodorkowski richteten.

Der Industriemagnat zählt als reichster Mann Russlands zu einem Kreis einflussreicher Oligarchen und gilt als Finanzier der liberalen Opposition des Landes. Zudem werden ihm politische Ambitionen nachgesagt.

Im Zuge der Untersuchungen war der engste Vertraute von Chodorkowski und Yukos-Großaktionär Platon Lebedew vergangene Woche festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Lebedew wird vorgeworfen, sich widerrechtlich Staatseigentum angeeignet zu haben. Auch Chodorkowski musste vergangene Woche in dieser Angelegenheit aussagen.

Präsident Wladimir Putin äußerte sich nur indirekt zu dem Yukos-Fall. In einer in Auszügen im Fernsehen ausgestrahlten Rede sagte Putin im Kreml, er sei dagegen, Verdächtige in Fällen von Wirtschaftskriminalität in Untersuchungshaft zu nehmen. Gegen Yukos läuft eine Untersuchung im Zusammenhang mit der Privatisierung der Düngemittel-Firma Apatit im Jahr 1994.

Razzien bewaffneter Justizbeamter hatten bei den russischen Oligarchen zu Beginn von Putins Amtszeit für Unmut gesorgt. Im Jahr 2000 hatten Putin und die Oligarchen eine informelle Absprache getroffen, wonach keine Untersuchungen zu Verkäufe an Industriemagnaten mehr eingeleitet werden sollten, solange die Oligarchen sich aus der Politik heraushielten. Beobachter gehen davon aus, dass der schwelende Konflikt zwischen den Industriemagnaten und der Regierung angesichts des Vorgehens gegen Yukos vor den diesjährigen russischen Parlaments- und Präsidentenwahlen wieder aufbricht.

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