Konzern bildet Rückstellungen von 120 Millionen Euro
Brasilien verhagelt VW den Quartalsgewinn

Brasilien wird für Volkswagen noch länger die größte Baustelle im Konzern bleiben, verhagelt den Wolfsburgern aber schon jetzt das Ergebnis für das dritte Quartal. 120 Mill. Euro musste der Konzern für die Restrukturierung in Brasilien zurückstellen. Das wurde bei einem Besuch des für Südamerika verantwortlichen VW-Konzernvorstands Peter Hartz in Brasilien bekannt.

SÃO PAULO. Die Gesamtbelastung aus Südamerika im dritten Quartal beziffern die Analysten der Commerzbank sogar auf 200 Mill. Euro und erwarten daher fast eine Halbierung des VW-Nettoergebnisses.

Die einst wichtigste Auslandstochter des VW-Konzerns soll nach fünf Jahren mit roten Zahlen jetzt komplett umgebaut und „konsequent auf Ertrag getrimmt werden“, sagte Hartz, seit 1996 für Lateinamerika verantwortlich. „Die Phase des Aufbaus und der Investitionen ist beendet“, verkündete er. Die Marktführerschaft sei nicht mehr vorrangiges Ziel. „Wir können auch mit Platz zwei oder drei leben.“

Die Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften gestalten sich laut Hartz nach wie vor schwierig. Misstrauen behindere die Verhandlungen um die Beschäftigungsgesellschaft Autovision, die VW nach Wolfsburger Modell in Brasilien einrichten wird. Die kürzliche Einigung mit der Hälfte der etwa 4 000 von der Umstrukturierung betroffenen Arbeitnehmer kommt den Konzern teuer zu stehen. Der Plan lässt den Beschäftigten die Wahl, ob sie bei voller Lohnfortzahlung bis Ende 2006 zu Hause bleiben, sich fortbilden lassen oder mit Abfindung in Rente gehen. Das Ergebnis sei „Ausdruck der harten Verhandlungsführung der Gewerkschaften“, kommentieren die Analysten. „Sicher hätten wir das alles billiger machen können“, räumt Hartz ein, „aber unser Anspruch als Konzern ist, Arbeitnehmer überall gleich zu behandeln.“ Er selbst hatte den Brasilianern 2001 am lokalen Chef von VW do Brasil vorbei eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2006 gegeben.

Die Überkapazitäten von rund einem Drittel will VW nach den Worten von Hartz kurzfristig mit dem jetzt lancierten Modell Fox füllen, das als Einstiegsmodell auch nach Europa exportiert werden soll. 100 000 Fahrzeuge will der Konzern davon bereits nächstes Jahr produzieren. Bis spätestens 2007 will VW für Brasilien ein noch billigeres Auto auf den Markt bringen, welches nach derzeitigem Wechselkurs rund 4 000 Euro kosten soll.

Hartz räumt ein, dass VW in Brasilien Fehler beim Modellmix und der Preispolitik gemacht habe. 70 % des Marktes sind Billigautos, von denen VW nur den einfachen Gol im Angebot hat. Der mit hohen Investitionen lancierte Golf sowie der Audi A3 dagegen seien nur schwer verkäuflich. Auch der Kleinwagen Polo habe sich als Flop erwiesen. „Ein tolles Auto, aber immer noch zu teuer.“ Dieses Jahr lastet VW mit 50 000 Polos seine Kapazitäten nur zu einem Viertel aus.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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