Konzern darf weiter Öl exportieren
Yukos verkauft Anteil an Gas-Tochter Rospan

Der wegen Milliarden-Steuernachforderungen vor dem Bankrott stehende russische Ölkonzern Yukos versucht nun durch Beteiligungsverkäufe Geld zur Begleichung der Steuerforderungen zu beschaffen. Kreisen zufolge hat Yukos gestern seinen Anteil von 56 Prozent an dem Erdgas-Joint-Venture Rospan für 357 Millionen Dollar an seinen Partner TNK-BP verkauft.

HB MOSKAU. Rospan verfügt über Erdgasreserven von mehr als 570 Billionen Kubikmetern, was etwa einem Fünftel der jährlichen weltweiten Erdgasförderung entspricht. Unterdessen hat hat ein russisches Gericht ein Gesuch von Yukos abgelehnt, mit dem der Konzern erreichen wollte, dass er einen Teil der Steuerschuld mit dem Anteil an dem früheren Fusionspartner Sibneft begleichen darf.

Auch der Öl-Export bleibt über den August heraus sicher: Die staatliche Eisenbahn sagte gestern zu, dass Yukos auch weiterhin Öl per Bahn transportieren darf: „Selbst wenn Yukos Insolvenz anmelden müsste, aber weiter Öl fördert, würden wir es weiter transportieren. Denn wir wollen mit einem Transportstopp nicht den Tod des Unternehmens provozieren“, sagte Vize-Bahnchef Salman Babajew gestern. Öl fände immer Käufer „und dann nehme ich die Transportgebühren von den Käufern“. Yukos hatte nur bis zum 31. August die Gebühren für Bahn- und Pipeline-Öltransporte bezahlt. Yukos exportiert 400 000 Barrel (je 159 Liter) seiner Tagesförderung von 1,7 Mill. Fass Rohöl per Bahn – zumeist nach China.

Angesichts der Äußerung des Bahnvorstands deutet sich an, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Ölversorgung der Weltmärkte nicht durch eine Yukos- Pleite gefährden will. Darum hatte ihm US-Präsident George W. Bush mehrfach telefonisch gebeten. Ein Moskauer Richter wies gestern die Yukos-Forderung nach Eintreibungsstopp der Steuernachforderung in Höhe von umgerechnet 2,8 Mrd. Euro für das Jahr 2000 zurück. Für die Folgejahre drohen Yukos weitere Steuernachforderungen in Höhe von bis zu sieben Mrd. Euro.

Eine Yukos-Insolvenz sei „sehr wahrscheinlich“, wenn das Unternehmen weiterhin kein Geld bekomme, warnt derweil Finanzchef Bruce Misamore. Auch für den Fall einer Insolvenz sind noch viele Fragen offen. Bisher galt der Yukos-Mehrheitsaktionär Menatep um den vor Gericht stehenden Michail Chodorkowskij als größter Gläubiger des Ölkonzerns. Somit könnte Menatep im Falle eines Konkurses den Konkursverwalter benennen. Doch der gerade veröffentlichte Halbjahresbericht weist nun Finanzorganisationen der Ölfirma Sibneft als größte Gläubiger aus. Yukos hatte Sibneft 2003 übernehmen wollen, muss den Deal aber jetzt rückabwickeln.

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