Konzern dementiert
EADS droht angeblich mit A400M-Ausstieg

Der europäische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS droht Medienberichten zufolge Deutschland und anderen Bestellerländern mit einem Stopp des verzögerten Militärtransportflugzeugs A400M. Demnach wäre einem Wirtschaftsprüfer-Bericht zufolge eine Einstellung des Projekts für Airbus billiger, als das Flugzeug ohne finanzielle Konzessionen der Auftragsländer weiterzubauen.
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HB BERLIN/PARIS. EADS dementierte die Meldungen umgehend. "Über einen möglichen Ausstieg ist mir nichts bekannt", sagte ein Sprecher des Konzerns am Dienstag. Die "Wirtschaftswoche" berichtete unter Berufung auf Rüstungskreise, dass die EADS-Tochter Airbus den Druck auf die Bundesregierung bezüglich finanzieller Konzessionen erhöht und Airbus-Chef Tom Enders mit der Einstellung des Projektes gedroht habe.

"Enders hat zu verstehen gegeben, dass er ohne ein Entgegenkommen im Wert von mindestens fünf Mrd. Euro das Projekt kippen wird und den Regierungen die bereits gezahlten Gelder in Höhe von sechs Mrd. zurückzahlt", zitierte das Magazin aus den Kreisen. Andernfalls binde das A400M-Programm zu viele Ressourcen und schränke die Handlungsfähigkeit des Flugzeugbauers bei der neuen A350 und dem Nachfolgemodell der A320 zu sehr ein.

Für Mittwoch ist ein Treffen der beteiligten Staaten in Berlin geplant, auf dem eine Einigung gefunden werden soll. Bis Jahresende wird eine Lösung angestrebt. Insgesamt haben sieben Nationen 180 Maschinen bestellt.

Entwicklungsprobleme und daraus resultierende Lieferverzögerungen sowie Kostensteigerungen haben das Milliardenprojekt heftig ins Schlingern gebracht. Nach jahrelanger Verzögerung soll das Militärtransportflugzeug nun in der zweiten Dezemberwoche zu seinem Jungfernflug abheben. Deutschland und Frankreich hatten Hersteller Airbus erst kürzlich zu finanziellem Entgegenkommen ausgefordert. Airbus fordert seinerseits Zugeständnisse der Bestellnationen. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten wurde für die A400M ein Festpreis von 20 Mrd. Euro vereinbart.

Neben der "WirtschaftsWoche" bezog sich auch "Focus Online" auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, dem zufolge die Kosten für das Projekt deutlich höher ausfielen als geplant. Zudem sei die Einstellung des Projekts billiger als das Flugzeug ohne finanzielle Zugeständnisse der Auftraggeber weiterzubauen.

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