Konzern droht Bereiche ins Ausland zu verlagern
Siemens findet zu neuer Stärke

Der Technologiekonzern Siemens hat seine Ertragskraft unbeeindruckt von der Konjunkturflaute deutlich gesteigert. Die Stärke macht selbstbewusst: Der Konzern droht Bereiche zu verlagern, falls die Steuerreform nicht umgesetzt wird

HB MÜNCHEN.

Der Technologiekonzern Siemens macht bei der Sanierung seiner Problemsparten Fortschritte und erwartet im neuen Geschäftsjahr wieder Zuwächse bei Gewinn und Umsatz. „Beim Ergebnis wird es sogar zweistellig“, kündigte Vorstandschef Heinrich von Pierer am Donnerstag in München an. Der 62 Jahre alte Konzernlenker deutete an, er werde seinen Vertrag über das laufende Geschäftsjahr hinaus verlängern. Das im September beendete Geschäftsjahr 2002/03 schloss Siemens mit einem deutlichen Umsatzrückgang und einem etwas geringeren Gewinn ab. Die Münchner übertrafen aber die Erwartungen von Branchenexperten. Die Aktionäre sollen eine um zehn Cent auf 1,10 Euro erhöhte Dividende erhalten. Die Siemens-Aktie legte bis zum Nachmittag mehr als zwei Prozent auf gut 62 Euro zu und war größter Kursgewinner im Deutschen Aktienindex (Dax).

PIERER - UNTERNEHMEN JETZT GUT AUSGERICHTET „Wir haben die Qualität unseres Ergebnisses erneut gesteigert“, sagte von Pierer. Der Umsatz werde im laufenden Jahr prozentual einstellig wachsen, der Gewinn nach Steuern sogar zweistellig. Diese Prognose setze nicht unbedingt einen Konjunkturaufschwung voraus, sagte er. „Die Prognose basiert darauf, dass wir unser Unternehmen jetzt gut ausgerichtet haben.“ Im abgeschlossenen Geschäftsjahr war der Konzernumsatz vor allem wegen der Dollar-Schwäche und Unternehmensverkäufen auf rund 74 (2001/02: 84) Milliarden Euro geschrumpft. Von Pierer signalisierte deutlicher als bisher, er wolle seinen Vertrag über das Ende des laufenden Geschäftsjahres hinaus verlängern. „Wenn Sie darüber spekulieren, liegen Sie vielleicht nicht ganz falsch“, sagte er. Bisher hatte der seit 1992 amtierende Konzernchef eine erneute Vertragsverlängerung nur sehr vage angedeutet: Er stelle fest, dass er zunehmend unentbehrlich werde, hatte er etwa im Frühjahr gesagt.

NETZWERKE IN DER GEWINNZONE - MISSERFOLG XELIBRI Im Gesamtjahr 2002/03 erzielte Siemens einen Überschuss von 2,445 Milliarden Euro - dies war etwas mehr als von Analysten prognostiziert. Im Vorjahr hatte Siemens zwar 150 Millionen mehr Gewinn ausgewiesen, dabei aber allein 936 Millionen Euro mit dem Verkauf von Aktien der ehemaligen Halbleiter-Tochter Infineon verdient. Die in schwachen Märkten operierende Netzwerksparte ICN erreichte zumindest im Schlussquartal mit 57 Millionen Euro wie erwartet die Gewinnzone. Im Gesamtjahr blieb damit zwar noch ein Spartenverlust von 366 Millionen Euro, dies war aber klar weniger als im Jahr 2001/02 (691 Millionen Euro). Die Ertragswende sei nachhaltig, bekräftigte von Pierer. Analyst Falk Reimann von der Landesbank Baden-Württemberg hob hervor: „Erfreulich ist, dass ICN im vierten Quartal sogar mehr als den geplanten Break Even erreicht hat.“

Der Mobilfunkbereich ICM habe dank der Sparmaßnahmen im Gesamtjahr einen Betriebsgewinn von 180 Millionen Euro erzielt nach 96 Millionen Euro im Jahr davor, obwohl wegen der schwachen Branchenkonjunktur Umsatz und Auftragseingang gesunken seien, teilte Siemens mit. Belastend wirkten bei ICM Abschreibungen in zweistelliger Millionenhöhe wegen des Misserfolgs der neuen Marke Xelibri, mit der Siemens das Handy als Modeartikel hatte positionieren wollen. Mit neun Prozent Marktanteil ist Siemens nach wie vor der viertgrößte Handyhersteller der Welt hinter Nokia, Motorola und Samsung. Als stärkste Gewinnbringer hätten sich einmal mehr die Sparten Energieerzeugung (PG) und Medizintechnik erwiesen, hieß es. Am schlechtesten habe sich die Industriesparte Siemens Dematic entwickelt. Der Hersteller von Automatisierungs- und Bestückungsanlagen habe zwei Großaufträge abschreiben und Rückstellungen bilden müssen.

Am Aktienmarkt wurden die Siemens-Zahlen positiv gewertet. Die Aktie stieg zwischenzeitlich um bis zu drei Prozent. Analysten sagten, ihre Gewinnerwartungen seien übertroffen worden. Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck erklärte, die Sparte ICM habe besser abgeschnitten als er erwartet habe. Er werde seine Gewinnprognose für Siemens wohl anheben müssen.

Angesichts der aktuellen Steuerdebatte in Deutschland drohte Siemens mit der Verlagerung von Konzernfunktionen ins Ausland. Die geplante Verbreiterung der Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer sei „der absolut falsche Weg“, sagte Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger. Die Konzernfinanzierung müsse nicht unbedingt von München aus gesteuert werden. Hier wären laut Neubürger bis zu 150 Arbeitsplätze betroffen.

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