Konzern fürchtet Einmischung der Politik
Lukoil sucht Nähe zu Gazprom

Russlands Ölsektor bleibt in Bewegung. Lukoil, der größte private russische Ölkonzern, will verstärkt im Ausland wachsen und sucht die Kooperation mit dem staatlichen Gasmonopolisten Gazprom. Doch ähnlich wie die ausländischen Ölkonzerne sieht sich Lukoil mit staatlichem Druck konfrontiert.

MOSKAU. Eine Gazprom-Sprecherin bestätigte am gestrigen Donnerstag, dass die beiden Konzerne „bald eine Vereinbarung unterschreiben werden“. Lukoil hatte kurz zuvor angekündigt, in den kommenden zehn Jahren 27 Mrd. Dollar in den Ausbau seiner ausländischen Förderung zu stecken, um diese um ein Siebenfaches auf 800 000 Barrel am Tag zu steigern.

Russlands Ölsektor bleibt damit in Bewegung. In dieser Woche hatten Gazprom und der größte staatliche Ölförderer Rosneft eine engere Zusammenarbeit angekündigt. Gleichzeitig hält der Kreml den Druck auf ausländische Investoren aufrecht, um den staatlichen Anteil an deren Projekten auszubauen. In dieser Woche musste außerdem der Chef von Gazprom Neft, Alexander Ryazanow, seinen Posten räumen und wurde durch den Ex-Geheimdienstoffizier Waleri Golubjew ersetzt.

Hinter Gazprom Neft verbirgt sich der Ölförderer Sibneft, den der Multimilliardär Roman Abramowitsch an Gazprom verkauft und dem Konzern damit den Einstieg in die Ölförderung ermöglicht hatte. Der Abgang Ryazanows aus dem Vorstand zeige, dass Gazprom intern über die Strategie für das Ölgeschäft gerungen habe, sagt Christopher Weafer, der Chef-Stratege der Alfa Bank. Nun werde klar, dass Gazprom einen Weg über den Aufbau von Joint Ventures wähle, in denen das Unternehmen nicht zwangsläufig die Führungsrolle habe.

Lukoil gilt als der am breitesten international aufgestellte russische Energiekonzern. Das Unternehmen, an dem der US-Ölförderer Conoco- Phillips einen Anteil von 20 Prozent hält, verfügt über Tankstellen in den USA und Europa sowie über Beteiligungen an Raffinerien. Mit einer Kapazität von 1,85 Mill. Barrel pro Tag ist Lukoil derzeit auch der größte Förderer in Russland.

Ähnlich wie die ausländischen Ölkonzerne sieht sich Lukoil mit staatlichem Druck konfrontiert. So hatten die Steuerbehörden kürzlich Informationen über 398 Lizenzen des Konzerns zur Entwicklung von Ölfeldern angefordert und im Falle von Unregelmäßigkeiten mit deren Entzug gedroht. „Der Kreml spielt in dem Sektor eine immer größere Rolle“, sagt der Alfa-Stratege Weafer. Dies gelte sogar, wenn es um die Erschließung neuer Reserven gehe, da die Regierung dies immer mehr unter einem strategischem Kalkül sehe: Zugang im Ausland gegen Anteile an Reserven in Russland. Lukoil dürfe da nicht außen vor bleiben.

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