Konzern geht die drei Problemsparten an
Siemens streicht tausende Stellen

Siemens geht seine Problemsparten an. Allein beim IT-Dienstleister SBS fallen binnen zwei Jahren 2400 Stellen weg; im Telekommunikationsbereich Com steht die Zahl noch nicht fest. Das dritte Problemkind löst die Mutter gleich ganz auf.

HB/jojo MÜNCHEN. Die Maßnahmen teilte die Siemens AG am Montag in München nach einer Sitzung des Zentralvorstands mit. Von den Umstrukturierungen erwartet Siemens eine Belastung des Gewinns im laufenden und im kommenden Geschäftsjahr (zum 30. September), die das Unternehmen nicht bezifferte. Nur erfolgreiche Geschäfte sicherten und schafften Arbeitsplätze, verteidigte Konzernchef Klaus Kleinfeld die Maßnahmen.

Die Kosten in der defizitären Sparte SBS sollten bis 2007 um 1,5 Milliarden Euro gedrückt werden. Siemens will das Wartungsgeschäft für Computer verstärkt in Partnerschaften einbringen. Spartenchef Adrian von Hammerstein legt sein Amt nieder. Neuer Chef der Sparte solle der 44 Jahre alte Christoph Kollatz werden.

Bei Com - wo unter anderem Festnetztelefone gefertigt werden - seien Einschnitte unter anderem wegen der schwachen Inlandskonjunktur und der Kaufzurückhaltung bei mittelständischen Kunden notwendig, hieß es. „Damit sind Personalanpassungen verbunden, zu denen das Unternehmen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und IG Metall führt.“ Eine Größenordnung wurde zunächst nicht genannt. In Branchenkreisen war zuvor von 3000 bis über 4000 Arbeitsplätzen die Rede.

Hart trifft es auch die Logistiksparte L&A. Mit Wirkung zum 1. Oktober wird der komplette Bereich aufgelöst. Das Geschäftsfeld Industrielogistik mit 5000 Beschäftigten wird wie schon zuvor angekündigt in eine eigenständige Gesellschaft mit Namen Dematic ausgegliedert und so für Partnerschaften oder einen Verkauf vorbereitet. Das verbliebene, profitable Geschäft wird auf andere Sparten verteilt. Dazu zählen Postautomatisierung, Flughafenlogistik und Bestückungsmaschinen.

Die Maßnahmen kommen nicht überraschend. Auslöser der Restrukturierung ist die Vorgabe des seit Januar amtierenden Konzernchefs Klaus Kleinfeld, der sämtlichen Unternehmensbereichen Margenziele gesetzt hat, die sich an den jeweils besten Wettbewerbern der Branche orientieren. Diese Vorgaben müssen spätestens im Frühjahr 2007 erreicht werden. Um dies auch bei den Verlustbringern SBS, Com und L&A zu schaffen, musste Kleinfeld jetzt handeln.

Dass Siemens seine Umbaupläne am Tag nach der Wahl verkündet, werten Kritiker als Bestätigung dafür, dass der Konzern den politischen Ambitionen seines Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer nicht schaden wolle. Das CSU-Mitglied ist einer der wichtigsten wirtschaftspolitischen Berater von CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel.

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