Konzern investiert 500 Millionen in Versuchsanlage
Siemens erwartet Schub durch Gasturbinen

Ein neuer Typ von Gasturbinen soll Siemens im Wettbewerb mit dem Erzrivalen General Electric voran bringen. Konzernchef Klaus Kleinfeld kündigte am Montag in München an, im bayerischen Irsching die weltweit größte und leistungsstärkste Gasturbinenanlage zu bauen. Für den Prototyp gibt das Unternehmen eine halbe Milliarde Euro aus.

HB/jojo MÜNCHEN. Siemens erwartet in den nächsten Jahren ein gutes Geschäft seiner Kraftwerksparte. Kleinfeld: „Bis zum Jahr 2020 prognostizieren Experten annähernd eine Verdoppelung der weltweiten Stromnachfrage.“ Auch in Deutschland müssten viele Kraftwerke erneuert werden.

Das Geschäftsfeld gehört schon heute zu den erfolgreichsten Bereichen von Siemens. Für die Telekommunikation, die IT-Dienstleistung und die Logistik hatte Kleinfeld vergangene Woche wegen der Verluste dort harte Einschnitte verkündet. Das Kraftwerksgeschäft hingegen fährt mit einer Umsatzrendite von zuletzt 10,6 Prozent bereits heute die Zielmarge ein, die Kleinfeld sehen will. Der Umsatz lag im vergangenen Quartal bei 2,1 Mrd. Euro, das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr.

Mit der neuen Gasturbine in Irsching will Siemens das Geschäft weltweit ankurbeln. Mit 340 Megawatt ist die Maschine so stark wie keine andere auf der Welt. Sie kann eine Stadt wie Hamburg mit Strom versorgen. Nach der Testphase soll die Anlage zu einem Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk erweitert werden mit einem Wirkungsgrad von 60 Prozent. Nach Angaben von Siemens waren bisher maximal 58 Prozent möglich.

„Dank des höheren Wirkungsgrades sind geringere Erzeugungskosten zu erwarten“, sagte Johannes Teyssen, Chef des Stromproduzenten Eon Energie. Siemens wird die Anlage auf einem Gelände von Eon aufbauen. Nach dem Probebetrieb wird Eon die Anlage dann voraussichtlich 2011 übernehmen. Weitere Aufträge an Siemens seien sehr wahrscheinlich. Teyssen: „Wenn das klappt, hat sich Siemens einen deutlichen Vorsprung vor den Wettbewerbern erarbeitet.“ Um das bestehende Kraftwerk in Irsching zu erweitern, gibt die Firma 200 Mill. Euro aus. Insgesamt will Eon Energie bis 2007 knapp sieben Mrd. Euro investieren, davon fast sechs Mrd. in Anlagen.

Siemens hat seine Kraftwerksparte in den vergangenen Jahren durch Zukäufe kräftig verstärkt, um mit Weltmarktführer General Electric mitzuhalten. 1998 hatten die Münchener die US-Firma Westinghouse übernommen, 2001 wurde mit dem Kauf von Demag Delaval die Position bei industriellen Dampfturbinen gestärkt. Im Frühjahr 2003 kam die Industrieturbinensparte von Alstom hinzu. Die neue Gasturbine wurde erstmals gemeinsam von den Ingenieuren von Siemens und Westinghouse entwickelt. Die Maschine wird in Berlin gefertigt und sichert rund 800 Arbeitsplätze.

Die Investoren reagierten freundlich auf die neue Turbinengeneration. In einem positiven Umfeld gewann die Siemens-Aktie rund 1,5 Prozent auf etwa 63 Euro.

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