Konzern konzentriert sich künftig auf Prozesstechnik – Verkauf der Chemie sichert Finanzbasis
MG Technologies wird halbiert

Die MG Technologies AG, Frankfurt, steht vor dem zweiten Totalumbau ihrer Geschichte. Bis 2005 soll sie vom Mischkonzern mit den beiden Säulen Anlagenbau und Chemie zum reinen Maschinen- und Anlagenbauer mit der Kerngesellschaft Gea AG werden, kündigte der neue Vorstandschef Udo G. Stark Ende vergangener Woche an. Das Geschäftsfeld Chemie mit rund 4 Mrd. Euro Umsatz und 13 600 Mitarbeitern wird verkauft.

wb/jkn/mm FRANKFURT/M. Vom Verkauf der „sehr werthaltigen“ Chemie-Assets, darunter als dickster Brocken die profitable Dynamit Nobel AG, verspricht sich Stark einen Erlös „deutlich oberhalb von 2 Mrd. Euro“. Die Summe dürfte vorsichtig angesetzt sein. Denn Stark will die Nettoverschuldung, Mitte des Jahres bei 1,25 Mrd. Euro, bis 2005 in eine Netto- Cash-Position von 1,3 Mrd. Euro verwandeln, Differenz: 2,55 Mrd. Euro. Auch in Finanzkreisen hieß es, die betreuenden Investmentbanker „würden ihre Hausaufgaben schlecht machen“, kämen sie nicht näher an 3 Mrd. Euro Erlös heran.

Dank der kräftigen Entschuldung soll sich der Zinssaldo (2002/03: minus 76 Mill. Euro) um 120 Mill. Euro verbessern. Darüber hinaus plant Stark erhebliche Einsparungen durch Eingriffe in die nach seiner Meinung viel zu komplexe Struktur. „Der Konzern leistete sich außer der Zentrale noch fünf Zwischenholdings“, moniert er. Allein in den Holding-Kosten läge noch ein Sparpotenzial von 100 Mill. Euro.

Eine vereinfachte Konzern- und Management-Struktur ebenso wie die erhebliche Straffung des Großanlagenbaus um die Töchter Lurgi und Lurgi Lentjes sollen weitere Kostensenkungen bringen. „Die MG Technologies wird in diesem Bereich keine weiteren Verluste akzeptieren und erwartet eine Umsatzrendite von vier bis fünf Prozent“, teilte das Unternehmen knapp mit. In diesem Jahr werden sich die Verluste aus dem Anlagengeschäft zwischen 200 Mill. und 250 Mill. Euro bewegen.

Für alle Restrukturierungsmaßnahmen werden in diesem Jahr Sonderaufwendungen von 415 Mill. Euro anfallen. Darin sind neben der Bereinigung des Anlagenbaus mit 280 Mill. Euro (einschließlich Bewertungsmaßnahmen mit dem Ziel einer konservativeren Bilanzierung) 50 Mill. Euro für die Verschlankung der Holding-Strukturen und 25 Mill. für die Trennung von Managern veranschlagt.

Nach dem Verkauf der Chemiesparte erwartet Stark 2005 einen Umsatz von rund 5 Mrd. Euro. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Konzern noch 8,6 Mrd. Euro umgesetzt. Auf der neuen finanziellen Basis will er das Geschäft mit der Prozesstechnik von Gea und Lurgi dann weiter kräftig ausbauen. Stark: „Hier bieten sich große Wachstumschancen bei begrenztem Risikoprofil.“ Dabei setzt er auf Akquisitionen als auch auf internes Wachstum.

Bis das Geld aus dem Chemieverkauf in der Kasse klingelt, werden allerdings noch einige Monate vergehen. Der Prozess der Verkaufsvorbereitungen vom Informationsmaterial über die Gebote der Interessenten und die Due diligence bis zur endgültigen Entscheidung wird sich nach Einschätzung von Bankern noch bis ins zweite Quartal 2004 hinziehen. Noch ist nicht einmal entschieden, ob die Chemie als Ganzes oder in Teilen verkauft wird. Ihre erste völlige Umstrukturierung hatte die MG nach einem Beinahe-Zusammenbruch 1993/94 erlebt – unter Starks Vorgänger Kajo Neukirchen.

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