Konzern lässt sich mit Umbau von Problembereichen noch Zeit
Siemens verlängert Galgenfrist für Sparten

Der Umbau des Technologiekonzerns Siemens dauert länger als von vielen Beobachtern erwartet. Auf der Sitzung des Zentralvorstands am kommenden Montag würden noch keine weit reichenden Entscheidungen über die künftige Ausrichtung der drei Problemsparten fallen, heißt es in Unternehmenskreisen.

jojo MÜNCHEN. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte Ende Juli die Spekulationen über Restrukturierungen ausgelöst. Der Manager kündigte bei der Vorlage der Quartalszahlen an, die defizitären Geschäftsgebiete Kommunikation, IT-Dienstleistungen und Logistik müssten Ende August so genannte Statusberichte vorlegen. Dies wird am Montag geschehen. Dabei sollen die Bereiche auch Vorschläge vorlegen, wie das Geschäft wieder auf Vordermann gebracht werden soll. Große Einschnitte werde der Zentralvorstand auf seiner Sitzung jedoch nicht beschließen, verlautete aus den Kreisen.

Spätestens bis zur Veröffentlichung der Jahreszahlen im November sollen aber Entscheidungen fallen. Dann kommt auch der Aufsichtsrat zu seiner nächsten regulären Sitzung zusammen.

Im Visier befindet sich vor allem der IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS). Die Sparte meldete im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 109 Mill. Euro. „Das Ergebnis ist inakzeptabel“, schimpfte Kleinfeld. Der seit Januar amtierende Siemens-Chef kündigte vor vier Wochen an, das Geschäft mit der Wartung von Computern teilweise an Partner abzugeben. Dabei werden neben dem bereits angekündigten Abbau von 950 Stellen weitere Arbeitsplätze verloren gehen.

Über die künftige Ausrichtung des seit Jahren kränkelnden Geschäftsfeldes sagte Kleinfeld nichts. Arbeitnehmervertreter fordern angesichts der Unsicherheit eine schnelle Klärung: „Personalabbau reicht nicht aus, um die Zukunft zu sichern“, betont Michael Leppek von der IG Metall in München. Nach Ansicht des Gewerkschafters ist Siemens aber noch nicht so weit, ein Konzept vorzulegen: „Am Montag wird nichts rauskommen, alles andere wäre ein Wunder.“

Zuletzt hatte SBS vermehrt interne Aufträge bekommen sowie große Outsourcing-Deals abgeschlossen. In der IT-Branche werden verschiedene Szenarien über die Zukunft von SBS diskutiert. Zum einen heißt es, Siemens mache die Sparte hübsch für einen Verkauf. Andere werten die Abschlüsse als Zeichen, dass Siemens das Geschäft behalten will. Der Konzern will sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Kritische Blicke richten sich auch auf die Telekommunikation, das wichtigste Geschäftsfeld der Münchener. Die Sparte rutschte im zweiten Quartal mit 70 Mill. Euro Verlust tief in die roten Zahlen. Die dritte Baustelle ist die Logistik, die ein Minus von 49 Mill. Euro einfuhr.

Die Börse wartet gespannt auf die Umbaumaßnahmen. Seit der Vorlage der Quartalszahlen Ende Juli ist der Kurs von rund 65 Euro auf gestern 62,80 Euro abgebröckelt.

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