Konzern rechnet mit elf Milliarden Dollar Pensionslasten der ehemaligen Tochter
Delphi-Insolvenz wird teuer für GM

Der Insolvenzantrag des Autozulieferers Delphi ist ein schwerer Schlag für dessen ehemalige Mutter General Motors (GM). Nach den Verträgen über die Ausgliederung des Zuliefergeschäftes aus dem Jahr 1999 bürgt GM bei einer Pleite für die Pensionslasten von Delphi.

je/hof/wb HB PORTLAND. Der Zulieferer hat rund 12 000 Betriebsrentner. Die Übernahme ihrer Pensionen und Krankenversicherungen könnte GM nach Angaben einer Sprecherin bis zu elf Mrd. Dollar kosten.

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) senkte daraufhin gestern ihre Kreditbewertung für den Konzern weiter – auf „BB-“ von „BB“ für langfristige Schuldverschreibungen und auf „B-2“ von „B-1“ für kurzfristige. Damit wird die Aufnahme neuer Kredite für den Konzern noch teurer. Die S&P-Analysten sehen durch die Delphi-Pleite die Gefahr, dass GM eine Wende zum Positiven nun nicht gelingen könnte. Der Konzern bleibe auf der negativen Beobachtungsliste.

Analysten der Bank of America stellten die GM-Aktie auf „verkaufen“ und halbierten das Kursziel von 32 auf 18 Dollar. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch der Autokonzern die Sanierung per Insolvenzverfahren suchen könnte, habe sich von zehn auf 30 Prozent erhöht. Bei Bear Stearns erwartet man, „dass nunmehr auch GM Kostensenkungen wesentlich aggressiver angehen wird“.

Der Vergleichsantrag des größten US-Zulieferers zeigt, dass die Krise durch steigende Kosten, nicht mehr wettbewerbsfähige Produkte und teure Tarifverträge auch die Autoindustrie erreicht hat. Wegen steigender Rohstoff- und Energiekosten bei schrumpfenden Produktionszahlen der beiden größten Autobauer GM und Ford meldeten bereits die Zulieferer Collins & Aikman, Meridian Automotive und Tower Automotive Vergleich an. Und Dana halbierte gestern die Prognosen für 2005: Der Autozulieferer erwartet nun nur noch einen Gewinn je Aktie von 0,60 bis 0,70 Dollar nach zuvor 1,30 bis 1,45 Dollar.

GM ist mit einem Umsatzanteil von rund 50 Prozent Delphis größter Kunde. Nach eigener Schätzung könnte GM zwei Mrd. Dollar pro Jahr sparen, würden alle Teile von billigeren Produzenten bezogen. Das könnte sich ändern: Delphi-Chef Robert S. Miller legte in dem Vergleichsantrag dar, dass der Zulieferer nach der Reorganisation zu den günstigsten Herstellern gehören würde. Miller will Werke schließen, Tausende Arbeiter entlassen sowie Löhne und Sozialleistungen gegenüber dem geltenden Tarifvertrag um mehr als die Hälfte senken. Die Gewerkschaft UAW reagierte empört auf die gleichzeitig bekannt gewordenen Pläne, den 600 Führungskräften nach Abschluss des Vergleichsverfahrens zehn Prozent der Firmenanteile zu geben.

Seite 1:

Delphi-Insolvenz wird teuer für GM

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%