Konzern setzt Umbau fort
GE trennt sich von der Sicherheitstechnik

Der führende US-Mischkonzern General Electric (GE) unternimmt einen weiteren Anlauf, um Randgeschäfte im Industriebereich abzustoßen. Laut übereinstimmenden US-Medienberichten ist die Investmentbank Morgan Stanley damit beauftragt, einen Käufer für die Sicherheitstechnik-Sparte GE Security zu suchen. Interessenten sollen bereits vor Wochen aufgefordert worden sein, vorläufige Gebote abzugeben.

NEW YORK/STUTTGART. Die Sparte könnte insbesondere für die US-Konglomerate Tyco und United Technologies interessant sein, die beide ein starkes Bein in der Sicherheitstechnik haben. In Finanzkreisen wurde auch der deutsche Industrietechnik-Konzern Bosch ins Spiel gebracht: Nach Handelsblatt-Informationen aus Branchenkreisen gehört das Unternehmen aus Gerlingen bei Stuttgart aber nicht mehr zu den Interessenten. „Zu Marktgerüchten nehmen wir nicht Stellung“, sagte ein Bosch-Sprecher.

GE Security stellt unter anderem Alarmsysteme und Überwachungskameras her und erzielt etwa 1,8 Mrd. Dollar Umsatz. Die Sparte wurde 2005 mit dem Kauf des US-Brandschutz-Spezialisten Edwards Systems Technology für 1,4 Mrd. Dollar zwar deutlich ausgebaut. Anders als etwa in der Kraftwerks-Industrie spielt GE in der Sicherheitstechnik keine weltweit führende Rolle. In einem zersplitterten Markt sind Wettbewerber wie Tyco mit seiner Sicherheitsfirma ADT Worldwide deutlich größer.

Weil GE-Konzernchef Jeffrey Immelt in allen Bereichen des Konzern-Riesen marktführende Positionen anstrebt, ist nun auch die Sparte GE Security auf der Verkaufsliste gelandet. Ob der Bereich als Ganzes oder in Teilen abgegeben wird, dürfte entscheidend vom Interesse der Bieter abhängen. Zuletzt wurde bereits die Sparte Homeland Security (Heimatschutz) für 580 Mill. Dollar an den französischen Luftfahrt-Zulieferer Safran SA verkauft.

In den vergangenen sechs Jahren hat Immelt Firmen im Wert von 50 Mrd. Dollar abgestoßen, darunter die Kunststoff-Firma GE Plastics sowie das komplette Versicherungsgeschäft. Im Gegenzug kaufte Immelt Geschäfte für mehr als 100 Mrd. Dollar hinzu, insbesondere in der Medizintechnik und im Bereich Luftfahrt. Dabei haben längst nicht alle geplanten Verkäufe geklappt: Im Vorjahr stellte Immelt auch die traditionsreiche Hausgeräte-Firma GE Appliances ins Schaufenster, weil sie fast ausschließlich im Heimatmarkt USA vertreten ist und entsprechend schwer unter der Immobilienkrise und der Rezession im Land leidet. Bisher hat sich für den Pionier von Kühlschränken und Klimaanlagen aber noch kein Käufer gefunden, der bereit wäre, den von GE erhofften Preis zu zahlen.

Nach Monaten der Unsicherheit hoffen einige Mitarbeiter der Hausgeräte-Sparte nun wieder auf eine Überlebenschance im eigenen Haus: Im Mai erklärte sich eine lokale Gewerkschaft zu finanziellen Zugeständnissen bereit, die GE veranlassten, einen neuartigen Hybrid-Wasserboiler im sogenannten Appliance Park am Heimat-Standort Louisville, Kentucky, zu produzieren. Auf diesem 360 Hektar großen Gelände, das einst 25 000 Mitarbeiter beschäftigte, wurden seit 1952 fast 200 Millionen Hausgeräte hergestellt. Heute arbeiten in diesem Industriegebiet nur noch etwa 5 000 Menschen. GE-Angaben zufolge bietet die Ansiedlung der Boiler-Produktion langfristig die Chance auf 1 600 neue Arbeitsplätze. Jobs. Sie werden von Louisville und dem Bundesstaat Kentucky mit Zuschüssen in zweistelliger Millionenhöhe gefördert.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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