Konzern sieht großes Potenzial des Medikaments
Boehringer Ingelheim setzt viel Hoffnung in Aids-Mittel

Boehringer Ingelheim hat für sein neues Medikament Tipranavir zur Behandlung der tödlichen Immunschwäche Aids positive Zwischendaten aus einer zulassungsrelevanten klinischen Studie gemeldet. Deutschlands größter Pharmakonzern will das Mittel Tipranavir schon Mitte 2005 auf den Markt bringen.

HB FRANKFURT. Das neue Medikament soll vor allem bei solchen Patienten zum Einsatz kommen, bei denen Aids-Viren schon gegen andere Medikamente resistent geworden sind. Eine Analyse von 24-Wochen-Daten der so genannten Resist-1-Studie habe ergeben, dass bei 41,5 Prozent der Tipranavir erhaltenen Patienten die Behandlung angesprochen habe, teilte Boehringer Ingelheim am Montag am Firmensitz in Ingelheim mit. Bei der Vergleichsgruppe der Patienten in der Studie, die herkömmmliche Protease-Hemmer bekamen, seien dies nur 22,3 Prozent gewesen. Dabei habe als Ansprechen der Behandlung eine Verminderung des Virus-Vorkommens um eine vorher festgelegte Größe gegolten. Der Pharmakonzern präsentierte die Zwischendaten auf einem in Washington stattfindenen Medizinkongress.

„Diese Daten legen es nahe, dass Tipranavir das Potenzial haben könnte, die Versorgung von behandlungserfahrenen Patienten voranzubringen“, sagte Charles Hicks, Professor der Medizin am Duke University Medical Center zu den Zwischenergebnissen. Tipranavir gehört als so genannter nicht-peptidischer Proteasehemmer zu der Medikamentenklasse der Proteasehemmer. Medikamente dieser Klasse sollen die Aktivitäten des Enzyms Protease hemmen, mit dem lange Virus-Stränge in kürzere Abschnitte aufgespaltet werden. Diese benötigt der Virus zur Herstellung von Selbstkopien und damit zu seiner Vermehrung. Boehringer Ingelheim hatte vor einer Woche für das Aids-Medikament die Zulassung bei der US-Gesundheitsbehörde FDA und auch bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA beantragt. Bei beiden Anträgen hatte der nicht börsengelistete Pharmakonzern jeweils um ein beschleunigtes Zulassungsverfahren nachgesucht. Sollte die schnelle Prüfung des Medikaments von den Behörden zu einem positiven Entscheid kommen, könnte Tipranavir nach früheren Angaben einer Sprecherin schon Mitte 2005 auf den Markt kommen. Das Mittel würde dann etwa im Wettbewerb mit Medikamenten von GlaxoSmithKline, Abbott Laboratories, Pfizer, Merck & Co oder Roche stehen.

Daten aus der Resist-1-Studie hatten zusammen mit Daten aus einer zweiten Phase-III-Studie (Resist-2) den Zulassungsanträgen zu Grunde gelegen. Resist-1 soll die Sicherheit und Wirksamkeit des Medikaments im Vergleich mit herkömmlichen Protease-Hemmern bei Aids-Patienten untersuchen, bei denen schon gegen andere Medikamente Resistenzen festgestellt wurden. An der Studie nahmen 620 Patienten in den USA, Kanada und Australien teil.

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