Konzern soll Risiken von Vioxx gekannt haben
Merck-Aktie kommt erneut unter Druck

Der US-Pharmakonzern Merck & Co hat offenbar bereits seit langem von den gefährlichen Nebenwirkungen seines kürzlich vom Markt genommenen Schmerzmittels Vioxx gewusst. Das berichtet das „Wall Street Journal“ mit Bezug auf interne Dokumente und E-Mails.

HB NEW YORK. Nach Angaben des "Wall Street Journal" hat es bereits Mitte der 90er Jahre Bedenken im Unternehmen gegeben, Vioxx könnte das Risiko eines Herzinfarktes erhöhen. Merck beharrte in einer Stellungnahme darauf, „verantwortlich und angemessen“ gehandelt zu haben. Die vom Journal zitierten Dokumente seien aus dem Zusammenhang gerissen. Die Börse reagierte skeptisch. Die Merck-Aktie verlor zum Handelsauftakt in New York rund sechs Prozent.

Sollte es sich bestätigen, dass Merck seit Jahren von den Vioxx-Risiken wusste und die Gefahren bewusst heruntergespielt hat, könnte das für das Unternehmen erhebliche finanzielle Konsequenzen haben. Zahlreiche mit Vioxx behandelte Patienten oder deren Familien haben Schadenersatzklagen gegen den US-Konzern erhoben. Die Produkthaftung kann in den USA schnell zu Milliardenforderungen von Seiten der Betroffenen führen.

Merck hatte das umstrittene Medikament Vioxx im September freiwillig vom Markt genommen, nachdem eine interne Studie ein erhöhtes Herzinfarktrisiko ergeben hatte. Vioxx stand bis dahin für einen Jahresumsatz von 2,5 Mrd. Dollar und trug etwa elf Prozent zum Konzernerlös von Merck bei. Der Rückzug des Arzneimittels kostete dem Unternehmen im dritten Quartal 550 Mill. Dollar und trug wesentlich dazu bei, dass der Reingewinn um 29 Prozent zurückging.

Nach Angaben des „Wall Street Journal“ haben mehrere Manager des Unternehmens in den späten 90er Jahren die Risiken von Vioxx in E-Mails diskutiert. Das Blatt zitiert eine Nachricht des Forschungschefs Edward Scolnick aus dem März 2000, worin er auf den Zusammenhang von Vioxx und Herzrisiken hinweist. Das Unternehmen habe dennoch behauptet, dass es einen solchen Zusammenhang nicht gebe, schreibt das Journal. Merck sei sogar gegen Wissenschaftler vorgegangen, die Zweifel an der Sicherheit von Vioxx für Herzpatienten geäußert hätten. Vioxx wird hauptsächlich bei Arthritis-Beschwerden verabreicht.

Merck lehnt es ab, die zitierten Dokumente im Detail zu diskutieren oder den gesamten Zusammenhang offen zu legen. Das Unternehmen begründet das mit den anhängigen Schadenersatzklagen.

Vioxx gehört zu einer Klasse von Medikamenten, die das Enzym Cox-2 hemmen sollen. Dazu gehört auch der Blockbuster Celebrex von Pfizer. Die Europäische Union hat jetzt eine Untersuchung eingeleitet, um die Sicherheit dieser Medikamente zu überprüfen.

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