Konzern spürt Konsumflaute
Unilever enttäuscht die Anleger

Der Konsumgüterhersteller Unilever hat im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis zwar gesteigert, bekommt die Zurückhaltung der Verbraucher jedoch mehr und mehr zu spüren.

HB LONDON. Der Hersteller von Knorr-Suppen und Dove-Seife verkaufte im zweiten Quartal in Westeuropa weniger als vor einem Jahr und stellt sich auf eine Konjunkturflaute auf dem Kontinent und in Nordamerika ein. Die Preissteigerungen bei den Rohstoffen konnte das britisch-niederländische Unternehmen zwar zunächst an seine Kunden weitergeben, die Zutaten verteuerten sich zwischen April und Juni jedoch stärker als im ersten Quartal.

Die am Donnerstag vorgelegten Zahlen wurden von Aktienhändlern als "negative Überraschung" gewertet. Der Aktienkurs stürzte an den Börsen in London und Amsterdam um acht Prozent ab und zog in Frankfurt auch die Anteile des deutschen Konkurrenten Henkel um fast drei Prozent ins Minus.

"Die Zahlen sehen auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus, aber ihre Qualität ist miserabel", erklärte ein Händler in London den Kurseinbruch. "Viele hatten mit besseren Zahlen gerechnet, und einige haben sogar gestern erst ihre Schätzungen angehoben", fügte ein anderer Börsianer hinzu. An den vergangenen fünf Handelstagen hatten Unilever über vier Prozent zugelegt, während der Gesamtmarkt auf der Stelle trat.

Insgesamt erreichte der Umsatz des Konzerns zwar eine um 6,8 Prozent höhere Summe, diese kam aber ausschließlich durch Preisaufschläge von 7,4 Prozent zustande. Der Absatz selbst war kaum verändert gegenüber dem Vorjahr. Neben dem Minus von 2,9 Prozent in Westeuropa verlangsamte sich auch das Wachstum in einigen wichtigen Schwellenländern.

Im fortgeführten Geschäft meldete Unilever für das zweite Quartal einen Umsatz von 10,37 (10,53) Mrd. Euro. Vor Steuern erzielte das niederländisch-britische Unternehmen ein Ergebnis von 1,35 Mrd. Euro, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Das Nettoergebnis sank auf 0,909 (1,14) Mrd. Euro. Das Ergebnis je Aktie sank um 12 Prozent auf 0,32 Euro.

"Aus unserer Sicht sind das schwache Ergebnisse", sagte Analyst Jeff Stent von Citi. "Es gibt kein Anzeichen dafür, dass Unilever beim Absatz zu seiner früheren Form zurückkehrt." Zudem sei davon auszugehen, dass der Inflationsdruck noch zunehme und das weitere Geschäft spürbar belaste.

Unilever-Chef Patrick Cescau bekräftigte dennoch die Prognose, das für 2008 gesetzte Ziel einer Umsatzsteigerung von drei bis fünf Prozent zu übertreffen und die Marge beim Betriebsgewinn zu verbessern. Finanzchef Jim Lawrence betonte, es sei kein Trend zu billigeren Produkten zu erkennen. Unilever produziert unter anderem auch Rama-Margarine, die Zahnpasta Signal und die Eiscreme Magnum. Für Rohstoffe gab Unilever im zweiten Quartal 600 Mill. Euro aus, 200 Mill. mehr als im ersten Vierteljahr.

Nach dem Verkauf des Olivenöls Bertolli hat Unilever in der vergangenen Woche auch seine nordamerikanische Wäschesparte abgestoßen. Damit ist der Konzern nicht mehr weit von seinem Ziel entfernt, Geschäfte mit einem Gesamtumsatz von rund zwei Mrd. Euro abzugeben.

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