Konzern stand unter großem Druck der Rating-Agenturen
Heidelberg Cement will Preise erhöhen

Heidelberg Cement will sich ein verbessertes Marktumfeld in Deutschland zunutze machen. Der größte deutsche Zementhersteller will Anfang 2005 zum dritten Mal die Preise erhöhen und die Konditionen für einen erst 2003 arrangierten Milliardenkredit verbessern.

HB STUTTGART. Eine Sprecherin bestätigte am Freitag, dass Heidelberg Cement den Zementpreis in Deutschland von Januar 2005 an um 9,50 Euro je Tonne anheben wolle. Der Marktführer hatte die weit unter das Durchschnittsniveau in Europa eingebrochenen Preise schon zuvor in zwei Schritten um 20 Euro je Tonne erhöht und den Vorreiter für die ganze Branche gespielt. Die Analysten der Deutschen Bank stuften die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie auf „Kaufen“ von „Halten“ hoch und erhöhten ihr Kursziel auf 50 von 35 Euro. Am Vortag hatte die WestLB ihre Einstufung auf „Underperform“ von „Neutral“ gesenkt und das Kursziel auf 39,00 von 42,50 Euro reduziert. Das Papier kletterte am Freitag um 4,3 Prozent auf 42,17 Euro.

„Deutsche Zementpreise - das Beste kommt noch“, lautet der Titel der Studie der Deutschen Bank. Die geplante Übernahme der britischen RMC und ihrer deutschen Tochter Readymix durch die mexikanische Cemex eliminiere eines der größten Risiken auf dem deutschen Zementmarkt. Die defizitäre Readymix hatte den Preiskrieg auf dem Markt nach Branchenangaben angezettelt. Zudem war das Unternehmen als Kronzeuge des Kartellamtes aufgetreten, das wegen angeblicher Preis- und Gebietsabsprachen allein gegen HeidelbergCement eine Strafe von 252 Millionen Euro verhängte.

„Die Branche lebte in ständiger Angst, dass RMC die jüngsten Preiserhöhungen nicht mitmachen würde“, hieß es in der Studie. „Wir halten große Preiserhöhungen 2005 nun für sicher.“ Die Analysten schätzen den Preis pro Tonne im nächsten Jahr auf 60 Euro. Der schweizerische Konkurrent Holcim habe angekündigt, 2005 keine neuen Verträge unter dieser Marke zu schließen, auch Lafarge habe die Zementpreise um fünf bis sieben Euro angehoben. „Ein Preisanstieg um einen Euro für deutschen Zement erhöht den Nettogewinn von HeidelbergCement um ein Prozent“, schrieben die Experten.

Angesichts des besseren Umfelds will der neue Finanzvorstand Lorenz Näger für einen erst 2003 arrangierten Milliardenkredit günstigere Konditionen aushandeln und die Laufzeit verlängern. „Durch verlängerte Fristigkeiten und günstigere Konditionen wird eine weitere Verbesserung der Finanzierungsstruktur angestrebt“, begründete er die geplante Umschuldung. Der bis 2006 laufende syndizierte Kredit über 1,07 Milliarden Euro solle durch ein neues syndiziertes Darlehen über 1 Milliarde Euro vorzeitig abgelöst werden, teilte Heidelberg Cement mit. Eine Tranche über 400 Millionen Euro soll bis 2007 laufen, eine über 600 Millionen Euro bis 2009. Näger hatte sein Amt als Nachfolger von Horst Wolf erst zu Monatsbeginn angetreten.

Der syndizierte Kredit war Teil eines großen Umschuldungs- und Finanzierungspakets von Heidelberg Cement im Juni 2003. Bei Abschluss der Finanzierung hatte der Konzern unter großem Druck der Ratingagenturen gestanden, die seine hohen Verbindlichkeiten kritisiert hatten.

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