Konzern vollzieht Strategiewechsel
VW will Indien aufrollen

Als erster deutscher Autokonzern nimmt die Volkwagen AG eine Vollproduktion in Indien in Angriff. VW stößt damit auf den umkämpften Markt für Billigwagen in Schwellenländern vor. Die Wolfsburger investieren 410 Mill. Euro in ein Werk bei Pune mit einer Jahreskapazität von 110 000 Stück.

DELHI. Um die Kosten zu dämpfen, wird ein hoher Lokalisierungsgrad von 70 bis 80 Prozent anvisiert. Das Modell, das ab 2009 vom Band laufen und die Größe eines Polos haben soll, zielt auf den preissensiblen Massenmarkt. Es soll auch in China, Russland und Lateinamerika fahren.

Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sagte in Delhi, dass Volkswagen hiermit einen Strategiewechsel vollzieht: VW versuche nicht mehr, existierende Modelle an ein Schwellenland anzupassen. Dies habe immer wieder zu Problemen geführt. Statt dessen werde ein Auto für indische Bedürfnisse neu entwickelt.

Der Vorstoß nach Indien ist für den Konzern wichtig für die geplante Steigerung seines Weltmarktanteils, der bis 2015 von neun auf zwölf Prozent wachsen soll. Entsprechend kündigte Skoda-Chef Detlef Wittig in Delhi an, die VW-Gruppe werde sich stärker auf Schwellenländer konzentrieren und dort „VW-Qualität zu niedrigen Kosten anbieten“. Zum Preis des neuen Modells schwieg er allerdings.

Dieses zielt aber auf dasselbe Segment wie die derzeitigen Verkaufsschlager: Suzukis Swift, Hyundais Getz und Tatas Indica. Diese kosten deutlich unter 7 000 Euro. Solche Mini-Autos dominieren Indiens Markt und bieten Analysten zufolge auch weltweit das größte Wachstumspotential. In Indien wuchs es alleine im letzten halben Jahr um 23 Prozent. Doch asiatische Hersteller dominieren: Suzuki, Hyundai und Tata Motors kommen in Indien auf 75 Prozent Marktanteil.

Doch bei diesen Wettbewerbern wird es für VW nicht bleiben: Bis 2009 plant auch Toyota in Indien eine Fabrik für ein neu konzipiertes Billigauto. Renault will die Produktionskapazität für sein Billigauto Logan auf 500 000 Stück im Jahr verzehnfachen. Fiat hat sich zur gemeinsamen Produktion und der Entwicklung neuer Modelle mit Tata Motors zusammengeschlossen, und auch die Platzhirsche wappnen sich: Hyundai baut seine Kapazitäten auf eine halbe Million Autos pro Jahr aus, und Suzuki investiert eine Mrd. Dollar in die Verdopplung seiner Produktion auf eine Million Stück.

Das Toyota-Auto wird ein Wagen sein, der lokal entwickelt wurde. Der neue VW dagegen entsteht hauptsächlich auf teuren Wolfsburger Reißbrettern. Wegen fehlender Modelle, einer langen Standortsuche und einem Korruptionsskandal hat sich VWs Eintritt in den indischen Markt um Jahre verzögert. Doch jetzt drückt der Konzern aufs Tempo: Um die Marke zu etablieren, wird Skoda 2007 in seinem unweit von Pune gelegenen Werk in Aurangabad mit der Montage des Passat beginnen.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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