Konzern wehrt sich gegen Bewertung von S&P
Ford soll Autovermieter Hertz versilbern

Das Verdikt der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) ist unmissverständlich. Die Autobauer müssten hart gegensteuern, um ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern. Was dies bei Ford konkret bedeuten könnte, haben die Ratingspezialisten beim zweitgrößten US-Autobauer bereits im Blick: Der Konzern könne seinen Autoverleiher Hertz versilbern, analysierte S&P.

hz/je PORTLAND. Unternehmenschef Bill Ford hatte bereits auf der jüngsten Telefonkonferenz zur Vorlage der Quartalszahlen eingeräumt, dass Ford über eine Trennung von der weltweit größten Autovermietungsgesellschaft nachdenke. Dabei vermied es der Firmenerbe ausdrücklich, das Wort „Verkauf“ in den Mund zu nehmen. Auch Finanzvorstand Don Leclair sprach lediglich von „einer Prüfung der strategischen Optionen“, als er gefragt wurde, ob ein vollständiger Verkauf, ein Teilausstieg oder eine Abspaltung in Betracht kämen. Doch im Rahmen des langfristigen Sanierungsprogramms für den Konzern, das Bill Ford Anfang 2002 aufgelegt hat, wäre ein Verkauf ein konsequenter Schritt. Hertz sei „ein großartiges Unternehmen“, räumte Bill Ford bereits ein, aber es liege „außerhalb des Stammgeschäfts“.

Hertz hat im vergangenen Jahr seinen Vorsteuergewinn auf 493 Millionen Dollar gut verdoppelt. Experten halten einen Börsengang von Hertz oder einen Verkauf an Beteiligungsgesellschaft nunmehr für wahrscheinlich. Eine Übernahme durch einen Konkurrenten würde dagegen wohl an kartellrechtlichen Bedenken scheitern, sagte ein Analyst. Das Geld könnte Ford für die weitere Restrukturierung wohl gut gebrauchen.

Doch Ford reagierte vergrätzt darauf, dass S&P den Konzern aus Dearborn bei der Einstufung der Kreditwürdigkeit mit GM in einen Topf wirft. „Wir teilen nicht den Pessimismus anderer“, schrieb Konzernchef Bill Ford in einer E-Mail an alle Beschäftigten, und „es ist unsere Aufgabe, unseren Kritikern zu zeigen, dass sie Unrecht haben.“ Tatsächlich sind die Probleme des US-Branchenzweiten nicht ganz so groß wie die der Nummer eins. Ford hat beispielsweise nur Schuldpapiere in Höhe von 161 Mrd. Dollar ausgegeben und schreibt im Gegensatz zu GM im ersten Quartal noch schwarze Zahlen. Doch das Unternehmen des legendären Henry Ford steckt in einer ähnlichen strukturellen Misere wie GM. Auch Ford drücken hohe Krankenversicherungskosten für Mitarbeiter und Pensionäre.

Und ebenso wie der Wettbewerber hat Ford massive Absatzprobleme im Heimatmarkt. Die Gründe sind hausgemacht: Die Qualität ausländischer Fahrzeuge – vor allem aus Asien und Deutschland – ist nach Einschätzung von Experten deutlich besser. Hinzu kommt, dass Ford im Gleichschritt mit GM etwa die Entwicklung von Kleinwagen oder benzinsparenden Fahrzeugen weitgehend ignoriert hat. S&P sieht auch bei Ford eine zu große Abhängigkeit von SUV und Pickup-Trucks. Analysten räumen trotz all dieser pessimistischen Vorgaben Ford jedoch leichte Vorteile gegenüber GM ein. Hinsichtlich der Produkte und der Kapazitäten habe Ford nach Ansicht der Analysten von Smith Barney bereits „die richtigen Schritte“ unternommen.

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