Konzern will 175 Mill. Euro erstreiten
Daimler-Chrysler verklagt Versicherungen

Eigentlich hatte Daimler-Chrysler vor, die Kosten für einen Vergleich mit klagenden US-Anlegern aus dem Jahr 2003 an ein Versicherungskonsortium weiterzureichen. Doch weil dieses sich weigert zu zahlen, folgt nun die nächste Klage. 175 Millionen Euro will Daimler-Chrysler auf diese Weise von den Versicherern erzwingen.

HB STUTTGART. Die Daimler-Chrysler AG hat ein Versicherungskonsortium auf Zahlung von 175 Mill. Euro verklagt. Dies berichten die "Stuttgarter Nachrichten" in der Donnerstagausgabe. "Wir sind zuversichtlich, dass das Verfahren in unserem Sinne abgeschlossen werden kann", sagte ein Sprecher der Zeitung. Hintergrund ist eine Sammelklage von US-Anlegern, mit denen sich der Stuttgarter Automobilkonzern im August 2003 gegen Zahlung von 300 Mill. Dollar verglichen hatte.

Bei der Bekanntgabe des Vergleichs hatte Daimler-Chrysler noch mitgeteilt, dass bis zu 200 Mill. Euro durch eine D&O-Versicherung abgedeckt seien, die für Schäden aus Managementfehlern haftet. Doch bis heute hätten die beteiligten Versicherungen nicht bezahlt, heißt es in dem Zeitungsbericht. Deshalb habe das DAX-Unternehmen das Konsortium vor dem Stuttgarter Landgericht verklagt.

In der Sammelklage ging es darum, ob der Zusammenschluss der damaligen Daimler-Benz AG mit der Chrysler Corp eine Übernahme oder "Fusion unter Gleichen" gewesen war, und ob damit die Bewertung von Chrysler richtig gewesen ist. Die Aktionäre hatten wie der ehemalige Chrysler-Großaktionär Kirk Kerkorian gegen Daimler-Chrysler und den früheren Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp geklagt, weil sie sich über die wahren Absichten des Zusammenschluss im Jahre 1998 getäuscht fühlten. Dies hatte Schrempp selbst in einem Zeitungsinterview Ende 2000 angedeutet.

In dem Verfahren gehe es unter anderem um die Frage, ob verschiedene Obliegenheitsverletzungen vorliegen, Daimler-Chrysler also gegen vertraglich festgelegte Versicherungsbedingungen verstoßen hat, schreibt die Zeitung unter Berufung auf das Gericht. D&O-Versicherungen zahlten in der Regel nicht, wenn etwa grobe Fahrlässigkeit oder bewusstes schuldhaftes Verhalten vorliegt.

Die Beweisaufnahme findet am 9. und 11. Januar statt. „An diesen beiden Tagen sollen bis zu 15 Zeugen vernommen werden“, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Landgerichts am Montag. Bei den Versicherungsunternehmen handelt es sich dem Sprecher zufolge neben ACE um AXA, HDI, Gerling, Chubb, die Zürcher Versicherungs-AG, XL Insurance und die Basler Versicherung. Mit diesen Unternehmen hat DaimlerChrysler eine sogenannte Directors & Officers-Versicherung abgeschlossen, die für Schäden aus Managementfehlern haftet.

Dem Sprecher des Landgerichts zufolge geht es nun darum, ob der Inhalt der Versicherungsverträge erlaubt, die Zahlung zurückzuweisen. Außerdem müsse der Vorsitzende Richter Eberhard Fuchs prüfen, ob Daimler-Chrysler möglicherweise bestimmte Informationspflichten gegenüber den Versicherern nicht erfüllt habe. D&O-Versicherungen zahlen in der Regel nicht, wenn etwa grobe Fahrlässigkeit oder bewusstes schuldhaftes Verhalten vorliegt. Daimler-Chrysler wollte sich zu dem laufenden Verfahren auf Nachfrage von Dow Jones Newswires nicht äußern.

Wahrscheinlich werde der Vorsitzende den Parteien bei den nächsten Verhandlungsterminen einen Vergleich anbieten, so der Sprecher weiter. Sollte dies abgelehnt werden, werde er möglicherweise auch den Termin für eine Entscheidung in diesem Fall festlegen.

Der ACE-Hauptbevollmächtigte für Deutschland, Lothar Riedle, wollte sich zu dem Fall nicht äußern, bestätigte aber, dass ein Konsortium unter eigener Führung von Daimler-Chrysler verklagt worden ist. Eine Sprecherin von Zurich Financial Services bestätigte, Teil des Konsortiums zu sein. Gerling und HDI wollten sich nicht äußern. Beide Versicherer gehören zur Talanx Gruppe. Chubb, Axa, XL Insurance und die Basler Versicherung waren für kurzfristig für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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