Konzern will BSN verkaufen
Beiersdorf stockt Kasse kräftig auf

Der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf (Nivea, Tesa, Hansaplast) kann durch den Verkauf seiner Beteiligung an der BSN medical GmbH seine Kriegskasse massiv aufstocken, um milliardenschwere Übernahmen zu stemmen. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, hofft der Kosmetikriese auf einen Erlös zwischen 500 bis 600 Mill. Euro.

HAMBURG. Damit würde der Konzern über eigene Mittel von rund zwei Mrd. Euro verfügen. Zusätzlich kann Vorstandschef Thomas-Bernd Quaas durch die Aufnahme von Krediten seinen finanziellen Spielraum auf drei bis 3,5 Mrd. Euro erhöhen, um Akquisitionen zu finanzieren.

Beiersdorf will sich bis Anfang 2006 von dem 50–prozentigen Anteil an der BSN medical trennen. An der Firma mit rund 3 400 Mitarbeitern zeigen mehrere strategische sowie Finanzinvestoren Interesse. Darunter befindet sich auch der US-Investor Apax Partners, heißt es aus Beiersdorf-Kreisen. Die Interessenten können ihre Angebote binnen zwei Wochen bei Morgan Stanley abgeben. Beiersdorf und sein Miteigner bei BSN, Smith & Nephew, hatten das US-Investmenthaus Mitte August beauftragt, einen Käufer für BSN zu suchen.

Auch Aktienanalysten gehen davon aus, dass Beiersdorf durch den Verkauf des BSN-Anteils mehr als ein halbe Million Euro erlösen dürfte. Dabei richten sich die Erwartungen vor allem an Apax Partners, denn der Finanzinvestor hat erst Anfang des Jahres den schwedischen Konzern Mölnlycke Healthcare AB übernommen. Das Unternehmen ist in der professionellen Wundversorgung, etwa in Krankenhäusern, aktiv, ein Geschäftszweig, den auch BSN abdeckt. „Beiersdorf könnte für den Anteil rund 500 Mill. Euro erzielen. Denn Apax ist möglicherweise bereit, mehr zu zahlen, da die Gesellschaft strategisch gut Mölnlycke passt“, meint Christian Bruns, Analyst bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim.

Dagegen hängt Silke Stegemann den Verkaufserlös für die Beiersdorf-Tochter deutlich niedriger. Die Analystin bei der Landesbank Rheinland-Pfalz rechnet lediglich mit 350 bis 375 Mill. Euro. Dies entspräche rund dem 1,3- bis 1,5-fachen des Umsatzes. Insgesamt beurteilt die Analystin die Veräußerung positiv, da Beiersdorf anschließend das Kerngeschäft mit Kosmetikprodukten stärken könnte: „Den Mittelzufluss könnte Beiersdorf zu Akquisitionen im nordamerikanischen und asiatischen Kosmetikgeschäft nutzen.“

Damit könnte das Wachstum in der Nivea-Sparte beschleunigt werden. Beiersdorf-Vorstandschef Quaas hat denn auch schon mehrfach betont, dass er diesen Geschäftszweig durch Zukäufe im Ausland ausbauen will. Die Übernahmen müssten aber zum Unternehmen und deren Produktpalette passen. Der Konzern setzte mit der Sparte „Consumer“ (Kosmetik, Hautpflege und Wundversorgung) 2004 rund 3,8 Mrd. Euro um und erzielte ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 433 Mill. Euro.

Andere Analysten gehen hingegen davon aus, dass Beiersdorf den Verkaufserlös auch an die Aktionäre ausschütten könnte. „Die Möglichkeit einer Sonderdividende hat einen gewissen Charme“, meint Sven Dopke, Analyst bei der Hamburger Privatbank M. M. Warburg. Beiersdorf könnte nämlich auf diese Weise der Stadt Hamburg den Ausstieg aus dem Konzern erleichtern, denn durch die Ausschüttung einer Sonderdividende würde sich die Differenz zum aktuellen Börsenkurs von rund 100 Euro und dem damaligen Anschaffungspreis des Pakets von 130 Euro je Aktie deutlich verringern.

Hamburg war Ende 2003 mit zehn Prozent bei Beiersdorf eingestiegen. Damit wollte die Hansestadt nach dem Ausscheiden des Münchener Großaktionärs Allianz verhindern, dass die Gesellschaft an den US-Riesen Procter & Gamble fällt. Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner hatte damals betont, dass sich die Stadt mittelfristig von dem Beiersdorf-Paket trennen will.

Sprecher von Beiersdorf und Apax gaben hierzu keinen Kommentar ab. Der Kurs von Beiersdorf sank gestern um 0,78 Prozent auf 98,50 Euro.

Begehrtes Übernahme-Objekt

BSN Medical: Das Hamburger Unternehmen ist unter anderem in der professionellen Wundversorgung und in der Urologie tätig. Zur Produktpalette gehören Fixierbinden, Gipsverbände, Binden, Bandagen sowie Produkte zur Behandlung von Venenerkrankungen.

Kennzahlen: Die Firma erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 504 Mill. Euro sowie ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von rund 70 Mill. Euro.

Anteilseigner: An BSN sind der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf sowie die Londoner Smith & Nephew Plc. mit jeweils 50 Prozent beteiligt. Sie wollen sich von dem Unternehmen bis Anfang des nächsten Jahres trennen.

Verkaufsprozess: Die Anteilseigner haben für die Veräußerung von BSN das US-Investmenthaus Morgan Stanley Co. eingeschaltet. Es soll die Angebote der Interessenten sondieren.

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