Konzern will Einfluss sichern
Daimler liebäugelt mit Chrysler-Minderheit

Ein Verkauf von Chrysler wird immer wahrscheinlicher. Beim Stuttgarter Mutterkonzern haben gleich mehrere Interessenten vorgesprochen; es könnte gar zum Bieterkampf kommen. Ganz wird sich Daimler-Chrysler aber wohl kaum von seiner verlustreichen US-Sparte trennen. Gleich mehrere Gründe sprechen gegen einen vollständigen Ausstieg.

hz FRANKFURT. Nach Informationen aus Branchenkreisen planen die Stuttgarter, eine Minderheitsbeteiligung zwischen zehn bis 20 Prozent an ihrer defizitären US-Sparte im Falle einer Veräußerung zu behalten. Grund dafür seien die engen Verflechtungen beim Einkauf und der Finanzsparten von Mercedes und Chrysler. Auch die potenziellen Interessenten, mit denen Daimler-Vorstand Rüdiger Grube seit vergangener Woche in New York erste Gespräche führt, drängen darauf, dass die Stuttgarter sich nicht komplett verabschiedeten, hieß es. Ein Daimler-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

An Chrysler sind laut Finanzkreisen neben dem kanadischen Zulieferer Magna International und dem US-Milliardär Kirk Kerkorian auch der Finanzinvestor Cerberus sowie ein Konsortium um Blackstone an Chrysler interessiert. Konzernchef Dieter Zetsche hatte auf der Hauptversammlung in Berlin Anfang April erstmals Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren für Chrysler ein geräumt.

Wer sich für Chrysler interessiert

Die Bewerber für den US-Automobilhersteller Chrysler wagen sich inzwischen weiter aus der Deckung. Gut eine Woche nach Kerkorian bekannte auch der kanadische Zulieferer Magna öffentlich sein Interesse an dem Autobauer. Magna untersuche derzeit verschiedene Alternativen für die Zukunft der defizitären US-Sparte von Daimler-Chrysler, erklärte das Unternehmen. Es gebe jedoch keine Garantie, dass eine Transaktion zustande komme. Damit bahnt sich ein Bieterkampf um Chrysler an.

Kerkorian, hatte über seine Investmentfirma Tracinda bereits vor gut einer Woche rund 4,5 Mrd. Dollar für Chrysler geboten. Magna und sein potenzieller Partner, die kanadische Investmentfirma Onex schlagen in ihrer Offerte laut Finanzkreisen vor, dass Daimler weiter einen Minderheitsanteil an Chrysler behält. Neben Magna pochen auch Cerberus und Blackstone darauf, dass sich Daimler nicht komplett verabschiedet, da der angeschlagene Autobauer Chrysler auf die industrielle Unterstützung von Daimler auch in den nächsten Jahren noch angewiesen ist. Die Unternehmen nahmen keine Stellung.

Im laufenden Bieterprozess um Chrysler zeichnet sich damit eine Ausgliederung der Sparte aus dem Konzern und der anschließende Verkauf einer Mehrheit an dieser neuen Firma als wahrscheinlichstes Szenario für Daimler ab. Zetsche hatte Mitte Februar am Chrysler-Stammsitz angekündigt, zusätzlich zu einem neuen Sparprogramm alle Optionen für Chrysler zu prüfen, was auch eine Partnerschaft oder einen Verkauf einschließt. Neun Jahre nach der Fusion rückt eine irdische Scheidung von Daimler und dem US-Autobauer damit immer näher. Der US-Autobauer hatte 2006 mit einem Milliardenminus abgeschlossen.

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