Konzern will von stärkerer Konkurrenz profitieren – Andere Stadtwerke äußern sich skeptisch
MVV Energie pocht auf mehr Freiheit bei Gasverträgen

Deutschlands größter Stadtwerke-Konzern, die MVV Energie AG, rechnet sich durch das geplante Verbot langfristiger Lieferverträge mehr Chancen auf dem Gasmarkt aus. „Wir als Kunde der Ferngasunternehmen können die Initiative des Bundeskartellamts nur begrüßen, sie würde Bewegung in den deutschen Gasmarkt bringen“, sagte Vorstandschef Rudolf Schulten im Gespräch mit dem Handelsblatt.

HB DÜSSELDORF. MVV Energie erhoffe sich neue Angebote, aus denen sich die Stadtwerke bedienen könnten. Andere Kommunalversorger sehen die Entwicklung aber skeptisch.

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, geht zurzeit gegen die Verträge vor, mit denen die Ferngasgesellschaften ihre größten Kunden, die Kommunalversorger, langfristig und weitgehend exklusiv an sich binden. Zum Teil laufen die Verträge bis zu 25 Jahre und machen es einem Versorger fast unmöglich, den Lieferanten zu wechseln.

Künftig sollen die Gasgesellschaften die Stadtwerke höchstens vier Jahre lang an sich binden dürfen, wenn sie über 50 Prozent des Gasbedarfs decken wollen. Bei einem Liefervolumen von über 80 Prozent verkürzt sich die maximale Vertragslaufzeit auf zwei Jahre. Nachdem vor eineinhalb Wochen Verhandlungen über einen Kompromiss am Widerstand von Marktführer Eon Ruhrgas scheiterten, will Böge die neuen Richtlinien jetzt mit Verfügungen durchsetzen.

MVV Energie ist einer der potenziellen Nutznießer. Das Unternehmen ist Kommunalversorger in Mannheim und Umgebung und an Stadtwerken in Kiel, Offenbach, Ingolstadt, Solingen, Köthen und Buchen beteiligt. Bislang hat MVV nach Schultens Worten nur einen Lieferanten, die Gasversorgung Süddeutschland (GVS).

MVV gehe es nicht vordringlich um den alten Vertrag, weil der ohnehin bald auslaufe, sondern um die künftige Lieferantenstruktur. Der Versorger will seine Bezugsquellen streuen. „Wir wollen Verträge mit längeren und kürzeren Laufzeiten und vor allem mit verschiedenen Lieferanten abschließen.“

Dabei werde das Verbot langfristiger Verträge helfen, weil es die Liquidität im Markt erhöhen werde, sagt Schulten. Bislang sei es nicht möglich, wettbewerbsfähige Angebote zu erhalten. Wenn die Ferngasgesellschaften Kunden aber nicht mehr so umfassend an sich binden dürften wie bisher, müssten sie für die frei werdenden Mengen neue Abnehmer suchen. „Das würde unsere Verhandlungsposition deutlich verbessern“, erläutert Schulten: „Ich will die Freiheit der Wahl haben.“

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