Konzernchef Humer warnt vor Verletzung von Lizenz- und Patentrechten
Roche vergibt Tamiflu-Lizenzen

Der Schweizer Pharmahersteller Roche bemüht sich darum, Lizenzen für die Herstellung des Grippemittels Tamiflu zu vergeben. Der Konzern verhandelt bereits mit rund 100 Staaten, Institutionen und Unternehmen über die offizielle Vergabe von Tamiflu-Lizenzen.

HB SCHANGHAI. Dies betonte Konzernchef Franz Humer bei der Inbetriebnahme einer neuen Produktionsanlage im chinesischen Schanghai - wobei er auf seine Rechte pocht: „Es ist unsere Marke“, stellte Humer klar. „Wenn wir geistiges Eigentum zerstören, vernichten wir unsere Forschungsarbeit und sägen damit an dem Ast, auf dem wir sitzen.“

Humer reagiert mit seinen Äußerungen auf den Druck, unter den Roche weltweit geraten ist, weil der Konzern allein die rasant gestiegene Nachfrage nach dem Grippeschutzmittel Tamiflu nicht befriedigen kann. So hatten Teile des US-Senats auf eine schnelle Lizenzvergabe gedrängt und anderenfalls mit Sanktionen gedroht. Der indische Hersteller von Nachahmer-Medikamenten Cipla hatte angekündigt, schon im nächsten Jahr in der Lage zu sein, ein Generikum auf den Markt zu bringen, das Tamiflu kopiert. Die Weltgesundheitsorganisation hatte darauf hingewiesen, dass im Pandemie-Fall jedes Land berechtigt ist, die Lizenz- und Patentbestimmungen so anzupassen, dass die nötigen Medikamente schnell produziert und verteilt werden können.

„Wir sprechen mit Cipla und anderen über die Vergabe von Lizenzen“, sagte Humer nun. Allerdings würden Lizenzen nur an diejenigen vergeben, die auch die nötigen Produktionstechniken beherrschten. Bei Roche arbeitet inzwischen ein 25köpfiger Krisenstab aus Technikern, Vertriebs- und Marketingspezialisten rund um die Uhr daran, die Tamiflu-Versorgung zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um die Vergabe von Lizenzen, sondern auch um die reibungslose Zulieferung der Rohmaterialien und die Erhöhung der Produktion.

Hauptaufgabe des Krisenstabs ist es aber, einen Spagat zu meistern: Auf der einen Seite will Roche die Rechte für Tamiflu auf keinen Fall aus der Hand geben, auf der anderen Seite aber auch nicht in den Ruf eines Pharmakonzerns geraten, der die eigenen Interessen über das Wohlergehen der Patienten stellt. Roche wird in diesem Jahr mehr als 800 Mill. Euro mit dem Grippemedikament umsetzen, das vor Anzug der Vogelgrippe nicht zu den Verkaufsschlagern im Programm des Pharmariesen gehört hatte.

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