Konzernchef läuft die Zeit davon
Welt-AG in Nöten

Die Uhr tickt für Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp. Drei weitere Jahre hat der Konzernlenker an der Spitze des fünftgrößten Autokonzerns der Welt nun Zeit, um seine Welt-AG zum versprochenen Erfolg zu führen: Bis 2008 will der Aufsichtsrat seinen Vertrag im Anschluss an das morgige Aktionärstreffen verlängern. Doch im sechsten Jahr der einstmals euphorisch gefeierten Fusion von Daimler-Benz und Chrysler bläst dem Mann an der Konzernspitze der Wind so eisig wie noch nie ins Gesicht. Es sind nicht mehr allein Kleinaktionärsschützer, die ihrem Ärger über den Unternehmenskurs auf der Hauptversammlung in Berlin Luft machen wollen.

BERLIN. Der einst bejubelte Vorstandsvorsitzende erntet inzwischen auch unverhohlene Kritik von institutioneller Seite. Fondsgesellschaften wie Union Investment und die Sparkassentochter Deka wollen Schrempp morgen als Kapitalvernichter anklagen, und der weltgrößte Investorenberater Institutional Shareholder Services (ISS) hat seinen Kunden bereits empfohlen, dem gesamten Vorstand die Entlastung zu verweigern. Ausgerechnet Schrempp, der sich nach seinem Amtsantritt als Mister Shareholder-Value präsentierte, stößt am Kapitalmarkt auf immer weniger Gegenliebe. Das US-Wirtschaftsblatt „Business Week“ ernannte den Konzernlenker aus Stuttgart kürzlich gemeinsam mit sechs anderen Managern zum weltweit schlechtesten Konzernchef des Jahres 2003.

Tatsächlich gleicht der Konzern auch im sechsten Jahr der Fusion einer Dauerbaustelle, die die Management-Ressourcen des Unternehmens stärker fordert als gedacht. Nicht nur die US-Sparte Chrysler ist noch immer ein Problem. Auch die von Schrempp hinzugefügte 37 %-Beteiligung am japanischen Autobauer Mitsubishi ist ein Klotz am Bein. Hinzu kommen das Debakel mit dem Maut-System Toll Collect sowie mögliche milliardenschwere Belastungen aus dem Kerkorian-Prozess in den USA – die Liste der Probleme ist lang.

So offenbart der Aktienkurs von Daimler-Chrysler über die Jahre eine milliardenschwere Wertvernichtung. Seit dem Allzeithoch der Daimler-Aktie mitten in der Börsenhausse im Mai 1998 wurden knapp 40 Milliarden Euro Börsenkapital, mehr als die Hälfte des Unternehmenswertes, ausradiert. Schrempp hat damit seinen Vorgänger Edzard Reuter übertrumpft, der damals als größter Kapitalvernichter der deutschen Wirtschaftsgeschichte abtrat.

Seite 1:

Welt-AG in Nöten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%