Konzernchef Müller deutet erstmals einen Ausstieg aus der Steinkohle an
RAG will Bergbau notfalls aufgeben

Der Vorstandschef der Essener RAG AG, Werner Müller, hat gestern erstmals seine Bereitschaft signalisiert, den deutschen Steinkohlebergbau aufzugeben, falls die Politik das anstrebe. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang des Chemie-, Energie- und Immobilienkonzerns könne der Ausstieg finanziert werden.

ESSEN. Auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz sagte Müller allerdings, dass der Plan, die frühere Ruhrkohle bereits im Frühsommer 2006 an die Börse zu bringen, wohl nicht eingehalten werden kann. Wenn der Börsengang mit den Aktionären und der Politik vereinbart sei, brauche der Konzern noch eine Vorlaufzeit von 12 bis 18 Monaten.

Wie es in Konzernkreisen heißt, hofft Müller, dass sich die RAG-Eigentümer Eon, RWE, Thyssen-Krupp und Arcelor noch bis zur parlamentarischen Sommerpause bereit erklären, ihre Aktienpakete abzugeben. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass der Börsengang der RAG zu einem Thema im Bundestagswahlkampf werde. Zwar hätten die beiden großen Volksparteien CDU und SPD ihre grundsätzliche Zustimmung signalisiert. Die FDP allerdings stelle sich quer, weil sie unkalkulierbare Risiken für den Bund befürchtet. Außerdem wollen die Liberalen sofort alle Subventionen für den Bergbau stoppen. Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen bezuschussen den defizitären deutschen Steinkohlebergbau in diesem Jahr mit insgesamt 2,7 Mrd. Euro.

Mit einem voraussichtlichen Volumen von mehr als fünf Mrd. Euro wäre die RAG die größte Neuemission in Deutschland seit der Postbank im Jahr 2004. Die Einnahmen aus dem Börsengang sollen in einen neuen Sonderfonds für Kohlealtlasten fließen. Die RAG-Großaktionäre aus der Industrie sollen mit je einem Euro abgefunden werden.

Im Gegenzug können sie ihre eigenen Altlasten aus dem Steinkohlebergbau vor Gründung der RAG im Jahr 1969 beim Bund abladen. Die RAG wäre dann nur noch Bergbaudienstleister für den Bund, der den Steinkohleabbau auf eigene Rechnung und eigenes Risiko betreiben würde. Bislang haben die Aktionäre dem Börsengang nicht zugestimmt. Es seien vor allem noch Bewertungsfragen offen, heißt es in den Konzernen.

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