Industrie

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Konzernchef Müller setzt letzten Teil seines Strategiewechsels um: RAG will neue Energiesparte schaffen

Der Essener Bergbau- und Industriekonzern RAG AG will sein Energiegeschäft ausbauen: Auf der Sitzung am vergangenen Donnerstag beschloss der RAG-Aufsichtsrat einstimmig, die deutschen Aktivitäten der Kraftwerkstochter Steag mit dem Energiebereich der Tochter Saarberg zu verschmelzen und so eine neue Energie-Sparte zu schaffen.

tom/jsn DÜSSELDORF. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Der ursprünglich einmal geplante vollständige Verkauf der Steag ist damit vom Tisch. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hatte RAG-Chef Werner Müller dem Handelsblatt angedeutet, dass er die "Ertragsperlen an der Saar" - vor allem die Saar-Ferngasbeteiligungen - möglichst im Portfolio behalten wollte.

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Nach wie vor wird aber der Verkauf der IPP-Sparte der Steag vorangetrieben: Verhandlungskreise rechnen mit einem schnellen Abschluss der Gespräche. Die RAG hofft aus dem Verkauf rund 300 Mill. Euro erlösen zu können. Konzernchef Müller will die Konzern-Schulden von rund 1,58 Mrd. Euro abbauen, die vor allem aus dem Kauf des Düsseldorfer Spezialchemieherstellers Degussa stammen. Neben der neuen Sparte Energie besteht die RAG künftig aus dem Immobilienzweig, dem Chemiebereich und der subventionierten Kohleförderung.

Für die Verschmelzung der Töchter Saarberg und Steag will die RAG zudem einen Partner gewinnen: Der soll rund 300 Mill. Euro für seinen Einstieg bezahlen. Zur Zeit verhandelt die RAG mit Gaz de France und dem belgischen Energiekonzern Electrabel. Beide so heißt es in informierten Kreisen, hätten einer Verschmelzung zugestimmt. Eine endgültige Entscheidung ist dazu aber noch nicht gefallen, denn auch der zweitwichtigste RAG-Anteilseigner RWE hat offenbar Interesse, sich an der neuen Energiesparte zu beteiligen, die rund 8% der deutschen Stromerzeugung leisten würde. Bis 2008 läuft eine Vereinbarung, nach der RWE Strom aus Steag-Kraftwerken bezieht. Branchenkenner sind sich einig, dass es dem Energieriesen nicht schmecken wird, wenn sich ein ausländischer Konzern an den deutschen Steag-Aktivitäten beteiligen würde. Wenn eine befriedigende Ausstattung der Steag-Kraftwerke mit CO2-Emmissionszertifikaten erreicht werden sollte, "dann sei dieses Asset sehr attraktiv", heißt es im Umfeld von RWE und RAG.

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Mit dem Aufsichtsratsbeschluss setzt RAG-Chef Müller nun den letzten Teil des von ihm angestoßenen Strategiewechsels um: Dazu gehörte auch der Verkauf der lukrativen Auslandsbergwerke, den Energieexperten aber auch mit einer gewissen Skepsis beobachten. Müller erwartet einen Boom in Deutschland bei der Nachfrage nach Kraftwerken. Die Steag verfügt über Standorte für neue Werke, deren Wert dann noch steigen dürfte. Bis die Nachfrage anzieht, müsse die RAG aber eine gewisse Durststrecke überwinden, meint der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt. Dabei würde das Auslandsgeschäft helfen. Nach der Degussa-Übernahme 2003 wollte sich die RAG auf die drei Säulen Bergbau national und international, Feinchemie und Immobilien konzentrieren. Der Rest, also auch die Kraftwerke, sollte verkauft werden. Das sah das Konzept von Müllers Vorgänger Karl Starzacher vor.

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