Konzernchef Müller trimmt den Spezialchemiekonzern mit Blick auf den geplanten RAG-Börsengang auf mehr Rendite
RAG nimmt Degussa an die kurze Leine

Werner Müller, der Chef des Essener Energie- und Chemiekonzerns RAG, zieht die Zügel an: Mit Blick auf den für Ende 2006 geplanten Börsengang verstärkt er vor allem den Druck auf die wertvollste RAG-Tochter Degussa, die schnellstmöglich bessere Resultate liefern soll, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrates.

HB DÜSSELDORF. Indiz für Müllers Interventionen bis hinunter auf die operative Ebene sind zum einen die hohen Abschreibungen von 830 Mill. Euro auf das Feinchemiegeschäft. Er habe sie gegen den Willen von Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht durchgesetzt hat, heißt es in den Kreisen weiter. Außerdem schränkt Müller Felchts strategische Handlungsmöglichkeiten mit der Bildung einer Steuerungsgruppe ein, die die Arbeit des Degussa-Chefs überprüft.

Müller will mit den Einnahmen aus dem Börsengang die RAG von ihren Altlasten im Bergbau freikaufen. Dafür benötigt er einen Betrag von mindestens vier Mrd. Euro, der in einen Treuhandfonds der öffentlichen Hand fließen soll. Um den Zeitplan für den Börsengang nicht zu gefährden, soll Degussa unter starkem Zeitdruck so gründlich saniert werden, dass sie den Börsenwert des RAG-Konzerns erhöht.

Im Moment ist das Gegenteil der Fall. Der M-Dax-Wert Degussa gab gestern um fast fünf Prozent auf 35 Euro nach, aktuell beträgt die Börsenbewertung 7,2 Mrd. Euro. Müllers Vorgänger als RAG-Chef, Werner Starzacher, hatte für den im April 2004 abgeschlossenen Erwerb von 50,1 Prozent der Degussa-Anteile noch 38 Euro pro Aktie oder insgesamt 3,92 Mrd. Euro bezahlt.

Ein gutes Geschäft für den Verkäufer Eon, ein schlechtes für die RAG: Bereits 2004 musste die RAG auf das Degussa-Paket 547 Mill. Euro abschreiben. Grund war ein rapider Kursverfall der Degussa-Aktien, ausgelöst durch Abschreibungen auf das Feinchemiegeschäft im Jahr 2003 von rund 500 Mill. Euro. Am Mittwoch hatte Degussa neuerliche Wertberichtigungen von 830 Mill. Euro bekannt gegeben, die ebenfalls größtenteils die im Jahr 2001 für 2,2 Mrd. Euro erworbene britische Laporte-Gruppe betreffen.

Die Position von Degussa-Chef Felcht ist geschwächt. Er muss sich die Akquisition als teuren Fehlkauf ankreiden lassen. Die US-Rating-Agentur Standard & Poor’s teilte bereits mit, sie werde die Kreditwürdigkeit von Degussa künftig genau beobachten.

Felcht hat kaum noch strategische Handlungsmöglichkeiten. Eine Steuerungsgruppe, der neben ihm Eon-Vorstand Hans Michael Gaul und RAG-Finanzchef Peter Schörner angehören, kontrolliert die Arbeit des Degussa-Chefs. RAG und der zweite Großaktionär Eon (43 Prozent), drängen auf rasche Fortschritte, nachdem die Degussa-Ergebnisse zuletzt deutlich unter den Planungen lagen. Eon hat angekündigt, das Degussa-Paket bis März 2006 zu verkaufen und den Erlös an die Aktionäre auszuschütten.

Seite 1:

RAG nimmt Degussa an die kurze Leine

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%