Konzernchef Paul Bulcke hebt das Wachstumsziel an
Nestlé ignoriert die Konsumflaute

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé zeigt sich trotz der sich abschwächenden Weltwirtschaft optimistisch. Das Management des schweizerischen Unternehmens hob gestern die Umsatzprognose für 2008 leicht an. Zwar will das Unternehmen vor allem organisch wachsen, Konzernchef Paul Bulcke schloss aber auch Zukäufe nicht aus.

INGO REICH | DÜSSELDORF

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé zeigt sich trotz der sich abschwächenden Weltwirtschaft optimistisch. Das Management des schweizerischen Unternehmens hob gestern die Umsatzprognose für 2008 leicht an. Zwar will das Unternehmen vor allem organisch wachsen, Konzernchef Paul Bulcke schloss aber auch Zukäufe nicht aus.

Bulcke äußerte sich gelassen zu den Krisenszenarien auf den internationalen Rohstoff- und Finanzmärkten. "Weiteres Wachstum" laute das simple Patentrezept des Konzerns gegen die derzeitige Instabilität der Märkte, sagte er. In diesem Jahr strebt der Nestlé-Chef, der im April Peter Brabeck-Letmathe auf den Chefsessel in der Konzernzentrale im schweizerischen Vevey folgte, nun ein organisches Wachstum um acht Prozent an.

Die Anleger honorierten die Zuversicht gestern mit einer starken Nachfrage nach Aktien des Unternehmens, das unter anderem Maggi-Tütensuppen, Alete-Babynahrung und Nescafé vertreibt. Der Kurs legte an der Züricher Börse um gut vier Prozent zu, während der Gesamtmarkt leicht ins Negative tendierte.

Nach Einschätzung von Barbara Ambrus, Analystin der LBBW, ist das Unternehmen gut für die schwierigen Zeiten gerüstet. "Nestlé hat viele starke Marken, die richtigen Produkte, ein großes Innovationspotenzial sowie ein nachhaltiges Engagement auf den Wachstumsmärkten der Entwicklungländer", sagte sie. Die Aktienexpertin behält ihre bereits im Sommer ausgesprochene Kaufempfehlung für die Nestlé-Papiere bei, die sich gestern mit rund 44 Schweizer Franken immer noch in der Nähe ihres historischen Tiefpunktes befanden.

Konzernchef Bulcke will das Wachstum mit einer Vielzahl von Innovationen vorantreiben. So wird künftig das Angebot des Kaffee-Sortiments Nespresso um Luxus-Schokoladen in zehn Geschmacksrichtungen erweitert. Die Marke Nespresso bedient das Luxus-Segment des Kaffeemarktes für Einzelportionen und kam in den letzten neun Monaten auf ein organisches Wachstum von rekordverdächtigen 30 Prozent. Die Erlöse stiegen aus eigener Kraft und bereinigt um negative Währungseffekte um stattliche 8,9 Prozent. Insgesamt legte der Nestlé-Umsatz in den ersten neun Monaten von 78 Mrd. auf 81,4 Mrd. Schweizer Franken (54,5 Mrd. Euro) zu.

Neben dem Luxussegment hat Nestlé drei weitere Wachstumsfelder ausgemacht. Dazu zählen der Markt für Lebensmittel mit gesundheitlichen Zusatznutzen, Produkte für die Systemgastronomie oder zum Unterwegs-Verzehr sowie die Märkte in aufstrebenden Entwicklungsländern.

Besonders in Entwicklungsländern sieht Bulcke noch großes Potenzial. In diesen Märkten ist die Durchdringung mit Markenprodukten wegen der meist schlechten Infrastruktur noch nicht weit fortgeschritten. Als Beispiel führte der 54-Jährige gestern die Philippinen an, wo bisher etwa drei Viertel der landesweit rund 600 000 Verkaufsstellen nicht erreicht werden konnten. In vielen Nachbarschaftsläden, die häufig in entlegenen Gegenden beheimatet sind, gebe es aber inzwischen Nescafé-Pulver oder Maggi-Würfel. Die Schweizer hätten inzwischen viele kleine Zwischenhändler ausgebildet, die ein Vertriebsnetz über das gesamte Inselreich spannten.

Auch Wettbewerber Danone hat auf ähnliche Weise bereits seinen Joghurt in Bangladesch unter die Leute gebracht. Dabei erhielten die Franzosen sogar Unterstützung von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Nestlé-Chef Bulcke sieht in diesen Ländern noch enormes Potenzial für sein Unternehmen: "Schließlich wachsen in diesen Ländern in den nächsten zehn Jahren rund eine Milliarde Konsumenten heran", sagte er.

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