Konzerne fahren Rekordgewinne ein
Ölmultis bremsen bei Investitionen

Trotz eines neuerlichen Hochs beim Ölpreis ist bei Anlegern von Euphorie nichts zu spüren. Die Aktien der drei größten europäischen Ölkonzerne BP, Total und Royal Dutch/Shell rutschten am Dienstag sogar vorübergehend leicht ins Minus. „Der Markt erwartet offenbar nicht, dass sich der Ölpreis länger auf diesem hohen Niveau halten wird“, erklärte Hendrik Garz von der WestLB die verhaltene Reaktion der Börse.

ali/jsn/mjh/tom PARIS/BEIRUT/ DÜSSELDORF. Zugleich räumte der Aktienstratege aber ein, dass „im Moment niemand weiß, wie lange die Terrorprämie noch den Ölpreis treibt“.

Nach dem Terroranschlag vom Wochenende erhöhten die ausländischen Ölkonzerne ihre Sicherheitsvorkehrungen in Saudi-Arabien. So brachte der französische Konzern Total nach Angaben eines Sprechers seine Mitarbeiter an einen geheimen und sicheren Ort. Auch die Mitarbeiter der niederländisch-britischen Royal Dutch/Shell-Gruppe sollen vorerst im Land bleiben. Jedoch bot das Unternehmen den Angehörigen eine Heimreise an.

Kurzfristig erwarten Experten jedoch keine negativen Folgen für die saudische Ölindustrie. So sagte der Beiruter Berater Marwan Iskander: „Solange nicht größere Produktionsanlagen zerstört werden, sind die Saudis in der Lage, auch ohne ausländische Hilfe Öl zu fördern und zu exportieren.“ Saudi Aramco, die staatliche Ölgesellschaft, beschäftigt zurzeit rund 8 000 Mitarbeiter. Nach Schätzungen von Beobachtern unterhält der weltgrößte Ölproduzent zusätzlich aber ein Heer von rund 5 000 Sicherheitsleuten zum Schutz seiner Anlagen.

Doch auch ohne eine Zuspitzung der Lage im Mittleren Osten kletterte der Ölpreis wieder auf Rekordhöhe. Und das schmiert die Gewinne. So haben die großen Ölkonzerns Überschüsse jeweils in Milliardenhöhe im ersten Quartal 2004 eingefahren und damit fast durchweg die Erwartungen von Analysten übertroffen.

Trotzdem agieren die Unternehmen vorsichtig und stehen weiter auf der Investitionsbremse. So ergab eine Umfrage der US-Investmentbank Lehman Brothers unter 335 internationalen Öl- und Gasgesellschaften, dass die Unternehmen ihre Ausgaben im Upstream-Bereich, also für Exploration und Verarbeitung, in diesem Jahr nur um knapp sechs Prozent auf knapp 150 Mrd. Dollar erhöhen wollen. 2003 lag der Zuwachs bei vier Prozent.

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