Konzerne geben sich zuversichtlich
US-Regierung will „Tabak-Mafia" ans Leder

In Washington hat am Dienstag ein beispielloser Prozess der US-Regierung gegen die amerikanische Tabakindustrie begonnen. Die Regierung wirft den Konzernen vor, in einer organisierten Verschwörung die amerikanische Öffentlichkeit jahrelang über Gesundheitsrisiken und das Suchtpotenzial des Rauchens getäuscht zu haben. Deshalb hat sie acht Tabakfirmen und -institute darauf verklagt, insgesamt 280 Mrd. Dollar zu zahlen.

pam/mp/HB DÜSSELDORF. Das Justizministerium argumentiert, dass die Tabakindustrie in einer massiven organisierten Verschwörung über Jahrzehnte die amerikanische Öffentlichkeit täuschte und betrog, indem sie die gesundheitlichen Risiken des Rauchens verschwiegen habe. Folglich seien die in dieser Zeit erzielten Gewinne illegal.

Zum Prozessauftakt legten zunächst die Bundesanwälte ihre Position dar. „Der Fall handelt von einem 50 Jahre währenden Muster aus falschen Angaben, Halbwahrheiten und Lügen“, sagte der Anwalt des Justizministeriums, Frank Marine, vor dem Gericht. Dazu sollen sich führende Vertreter der Zigarettenbranche 1953 in einem New Yorker Hotel verabredet haben. Das Ziel sei gewesen, den Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs in Zweifel zu ziehen.

Allerdings geben sich die Tabakkonzerne zuversichtlich. „Wir werden gewinnen“, sagte der Sprecher von British American Tobacco, David Betteridge, dem Handelsblatt. Sollte die US-Regierung jedoch wider Erwarten den Prozess gewinnen, würde das für viele Konzerne das Aus bedeuten. „Die Branche könnte den Betrag niemals aufbringen.“ Auch wenn es nicht so weit kommt, so hat diese verfahren nach Einschätzung von Experten zumindest aber das Potenzial, die Industrie radikal zu verändern und die Preise für Zigaretten drastisch in die Höhe zu treiben.

Die Anwälte der Tabakkonzerne haben zwar bislang eingeräumt, die Unternehmen hätten die Risiken des Rauchens in der Vergangenheit heruntergespielt. Inzwischen habe sich aber die Vermarktung von Zigaretten verändert. Deshalb gebe es keinen Grund, den Tabakkonzernen auch künftige Täuschungen zu unterstellen. Um den Prozess zu gewinnen, muss die US-Regierung plausibel darlegen, dass die Tabakindustrie Raucher auch in Zukunft bewusst falsch informieren wird. „Die Regierung wird es schwer haben, bei ihrer Argumentation den rapiden Wandel der Tabakindustrie in den vergangenen sechs Jahren zu ignorieren“, sagte der Altria-Chefjustiziar William Ohlemeyer. Altria ist die Mutter des US-Zigarettenherstellers Philip Morris.

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