Konzerne wälzen gestiegenen Eisernerz-Preise ab
Stahl so teuer wie nie zuvor

Führende internationale Stahlhersteller reagieren mit kräftigen Preiserhöhungen auf die regelrecht explodierenden Rohstoffkosten. Den Kunden bleibt keine andere Wahl, als den neuerlichen Preisschub zu akzeptieren. Welche Branchen besonders betroffen sind.

LONDON/DÜSSELDORF. Der koreanische Konzern Posco, weltweit der viertgrößte Stahlhersteller, hat angekündigt, ab Juli die Verkaufspreise durchschnittlich um 21 Prozent oder umgerechnet 145 Dollar (95 Euro) je Tonne zu erhöhen. Auf Dollarbasis sind die Preise für Eisenerz in diesem Jahr um zwei Drittel gestiegen, der Preis für Kokskohle hat sich sogar verdreifacht.

Obwohl der starke Euro einen Teil des Kostenschubs auffängt, dreht sich in Europa die Spirale noch schneller. Branchenprimus Arcelor-Mittal hebt zu Beginn des dritten Quartals die Preise um 160 Euro je Tonne an, Thyssen-Krupp wird nach Angaben eines Unternehmenssprechers ab Juli einen Aufschlag von 130 Euro je Tonne vornehmen, Salzgitter verlangt 150 Euro je Tonne mehr. Angesichts der robusten Nachfrage bleibt den Kunden keine andere Wahl, als den neuerlichen Preisschub zu akzeptieren.

Betroffen sind der Maschinenbau, die Hausgeräte- und Bauindustrie sowie vor allem die mittelständischen Stahlverarbeiter, die den Preisschub kaum an ihre Abnehmer weiterreichen können. Bei den Automobilherstellern sind die Belastungen kurzfristig noch gering - sie werden erst bei Abschluss neuer Jahresverträge im Herbst den Preisschub mit voller Wucht zu spüren bekommen. Nach Einschätzung der Deutschen Bank werden die Stahlpreise in Europa 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zulegen. Das bedeutet eine Kostenbelastung in mittlerer zweistelliger Milliardenhöhe.

Dank des anhaltenden Stahl-Boom in China ist dem britisch-australischen Rohstoffriesen Rio Tinto ein historischer Durchbruch gelungen: Er setzte in einem Pilot-Abschluss durch, dass der größte chinesische Stahlkonzern Baosteel höhere Preise für australisches als für brasilianisches Erz bezahlt. Die Begründung sind die niedrigeren Transportkosten von Australien nach China. Bisher gab es einen einheitlichen Weltmarktpreis für Eisenerz. Dabei diente stets der erste Abschluss zwischen einem großen Erzförderer und einem Stahlkonzern als Richtschnur für die weiteren Abschlüsse. Das wäre in diesem Jahr der Abschluss gewesen, den der weltgrößte Erzlieferant, die brasilianische Vale, im Februar geschlossen hat. Er sah auf Dollarbasis einem um 71 Prozent höheren Preis vor.

Doch die australischen Rohstoffriesen BHP Billiton und Rio Tinto, die gemeinsam mit Vale fast 70 Prozent des Überseehandels mit Eisenerz kontrollieren, insistieren, dass asiatische Stahlkonzerne für das näher gelegene australische Erz mehr bezahlen müssen. Baosteel stimmte Preiserhöhungen von bis zu 97 Prozent zu. China wird 2008 mit 430 Mill. Tonnen zwölf Prozent mehr Eisenerz importieren als im Vorjahr. Analysten glauben, dass das alte Preisfindungssystem nun tot ist. Rio hatte gedroht, das Eisenerz zu den noch höheren Spotmarkt-Preisen zu verkaufen, und damit Preissteigerungen durchgesetzt.

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