Konzernleitung geht in die Offensive
ABB unter Schmiergeld-Verdacht

Der Schweizer Industriekonzern ABB hat das Justizministerium in den USA und die dortige Börsenaufsicht SEC über mögliche Schmiergeldzahlungen bei seiner Software-Tochter ABB Network Management in Kenntnis setzen müssen.

HB ZÜRICH. Es geht um mutmaßliche Bestechungsgelder in Höhe von 560 000 Dollar. Die Summe sollen Konzernmitarbeiter gezahlt haben, um Aufträge in Lateinamerika und im Nahen Osten zu gewinnen. Die Manager seien inzwischen entlassen worden, hieß es.

Das in Texas ansässige Unternehmen Network Management war 1999 von ABB übernommen worden. Es zählt etwa 150 Mitarbeiter und liefert Steuerungssoftware an Versorgungsunternehmen.

Nur wenige Wochen nach der Einigung mit Asbest-Geschädigten in den USA drohen damit dem Schweizer Konzern erneut Schwierigkeiten jenseits des Atlantiks. Denn trotz der vergleichsweise geringen Summe könnte der Fall ABB teuer zu stehen kommen. Im vergangenen Jahr kostete ein ebenfalls in den USA aufgedeckter Bestechungsfall im Ölgeschäft das Unternehmen 16,4 Mill. Dollar für Bußen und Vergleiche. ABB-Tochterfirmen hatten in Nigeria, Angola und Kasachstan Beamte mit 1,1 Mill. Dollar geschmiert, um sich Vorteile bei der Vergabe von Öl- und Gasförderrechten zu verschaffen.

Um den Schaden möglichst klein zu halten, ging ABB gestern von sich aus in die Offensive. Der Konzern verfolge eine strikte Null-Toleranz-Politik bei Verstößen gegen die Rechtsordnung und die Unternehmensethik, erklärte Konzernchef Fred Kindle und knüpft damit an ähnliche Aussagen seines Vorgängers Jürgen Dormann an. Die verdächtigen Transaktionen seien den Behörden gemeldet worden. ABB versicherte, eng mit den US-Justizbehörden und der Börsenaufsicht SEC zusammenzuarbeiten.

Schon Dormann hatte in den letzten Jahren nicht verhindern können, dass ABB immer wieder in Schmiergeldaffären verwickelt wurde. Einer der Hauptschauplätze war Italien. Dort hatte sich erst neulich herausgestellt, dass die Bilanz einer ABB-Tochterfirma um 70 Mill. Dollar geschönt worden war.

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