Konzernmutter Elektrolux ist Produktion von Waschmaschinen in Deutschland zu teuer geworden
Hoffnungen für das AEG-Werk in Nürnberg schwinden

Das Ende für das Stammwerk des Haushaltsgeräteherstellers AEG in Nürnberg rückt immer näher: Nach Handelsblatt-Informationen wird der Aufsichtsrat der zum schwedischen Electrolux-Konzern gehörenden Firma heute die Schließung der Fabrik mit 1 750 Mitarbeitern empfehlen. Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war, gibt es kaum noch eine Chance für das ehemalige Stammwerk der Traditionsmarke AEG, die Electrolux vor elf Jahren komplett übernommen hatte. In dem Nürnberger Werk werden Geschirrspül- und Waschmaschinen hergestellt.

hst/fas STOCKHOLM. Der AEG-Aufsichtsrat wird bei seiner heutigen Sitzung auch ein von den Gewerkschaften in Auftrag gegebenes Gutachten diskutieren. Darin schlägt das Saarbrücker Info-Institut vor, die Fixkosten in dem Werk drastisch zu senken und das Marketing zu intensivieren. Die Arbeitnehmer wollen mit Lohnkürzungen und flexiblen Arbeitszeiten die Produktion in Deutschland halten. Allerdings sieht Electrolux-Chef Hans Stråberg nicht einmal freiwillige Lohnsenkungen als Rettungsmöglichkeit für die 1 750 Arbeitsplätze in Nürnberg an. „In unserer Branche reicht es nicht, die Löhne um 20 oder 30 Prozent zu senken“, sagte er Anfang September dem Handelsblatt.

Am kommenden Montag will die IG Metall die Beschäftigten und die Öffentlichkeit in Nürnberg über die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung informieren. Die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Werkes wird von der Electrolux-Zentrale in Stockholm getroffen. Sie wird nach Handelsblatt-Informationen aber noch einige Wochen auf sich warten lassen. Ein möglicher Zeitpunkt für die Bekanntgabe sei der 25. Oktober, wenn Electrolux seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegt, hieß es.

Electrolux-Chef Stråberg hatte vor drei Wochen in einem Gespräch mit dem Handelsblatt die Schließung des Nürnberger Werkes bereits signalisiert. „Wir wollen uns eigentlich nicht aus Nürnberg zurückziehen, aber wir können es auch nicht zulassen, dass wir Geld verlieren“, sagte er. Der zweite deutsche Electrolux-Standort in Rothenburg sei aber gesichert. Auch Analysten wie Anders Berg von der Evli Bank in Stockholm sehen eine Rettung der Nürnberger Fabrik allenfalls „als theoretische Möglichkeit“. Berg sprach von einem „unausweichlichen Prozess“.

Die voraussichtliche Schließung des Standorts Nürnberg ist Teil eines umfassenden Kostensenkungsprogramms. Der weltgrößte Hersteller von Haushaltsgeräten, die unter den Namen Electrolux, AEG, Zanker, Zanussi und Frigidaire verkauft werden, will wegen des zunehmenden Konkurrenzdrucks bis 2008 acht bis zehn Mrd. Kronen (857 Mill. bis 1,1 Mrd. Euro) einsparen. Zu den geplanten Maßnahmen zählt die Schließung von 13 bis 14 der insgesamt 43 Werke in Hochlohnländern. Diese Produktionsstätten, zu denen Werke in Italien, Spanien und Schweden gehören, werden nach Osteuropa, Asien und Mexiko verlegt. Auch die Konkurrenz senkt ihre Kosten. Die Bosch-Siemens Hausgeräte (BSH) verhandelt zur Zeit über die Schließung ihres Werkes in Berlin-Gartenfelde. Miele in Gütersloh kündigte bereits im Februar den Abbau von 1 100 Arbeitsplätzen an.

Analyst Anders Bruzelius bezeichnete die Maßnahmen als unzureichend, da Electrolux auch nach der Auslagerung immer noch höhere Produktionskosten als asiatische Konkurrenten wie die chinesische Haier oder LG aus Südkorea habe. Bruzelius rechnet mittelfristig mit der Verlagerung sämtlicher Werke aus Hoch- in Niedriglohnländern.

Electrolux-Chef Stråberg scheint bereits in ähnlichen Bahnen zu denken. „Die einfache Produktion können wir besser woanders machen. Es vollzieht sich ein großer Strukturwandel, und wir müssen diskutieren, was wir hier stattdessen machen“, sagte er dem Handelsblatt.

Weiße Ware unter Druck

Kostendruck: Neben den hohen Arbeitskosten setzen vor allem die hohen Stahlpreise die Hersteller unter Zugzwang. Miele, Bosch-Siemens und AEG wollen deshalb nur noch hochpreisige Wasch- und Spülmaschinen in Deutschland bauen. Der Rest wird nach Osteuropa verlagert.

Preisverfall: Seit 1998 hat die Branche in Deutschland mehr als eine Milliarde Euro Umsatz verloren. Der klassische Elektrohändler stirbt aus, Discounter drücken auf die Margen. In den vergangenen zwei Jahren sind die Preise für Waschmaschinen in Deutschland erneut um 15 Prozent gefallen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%