Konzernrettung
Magna darf bei Opel ans Steuer

Der kanadisch-österreichische Zuliefererkonzern Magna hat den monatelangen Bieterkampf um Opel so gut wie für sich entschieden. Auf einem Opel-Gipfel in Berlin verständigten sich Regierung, Mutterkonzern General Motors sowie die US-Administration in der Nacht zum Samstag darauf, dass der Auftragsfertiger den deutschen Autobauer übernehmen soll.

FRANKFURT. Opel sei damit "im Moment absolut gerettet", sagte der Europachef des GM-Mutterkonzerns, Carl-Peter Forster. Noch haben Magna und GM nur eine Absichtserklärung unterzeichnet, aber eine rasche Insolvenz von Opel im Schatten der bevorstehenden Pleite von GM ist damit faktisch vom Tisch. Ein erstes Spitzentreffen in Berlin war in der Nacht zum Donnerstag zuvor noch an der harten Haltung der amerikanischen Seite gescheitert. 80 Jahre nach der Übernahme durch GM steht Opel damit vor der Loslösung vom US-Autobauer und einem historischen Neustart unter neuer Regie. Für Fiat-Chef Sergio Marchionne,der ebenfalls um Opel geworben hatte, bedeutet die Entscheidung eine herbe Niederlage.

Ein Ende der Verhandlungen bedeutet der Durchbruch allerdings nicht. "Wir haben den ersten Schritt getan in eine neue Zukunft, aber die Zukunft ist noch nicht da", betonte Forster. Noch gebe es nur eine Absichtserklärung, unterschriftsreif seien die Verträge noch nicht. Magna-Co-Chef Siegfried Wolf bekundete die Absicht, alle vier deutschen Opel-Werke sowie so viele der 25.000 Stellen dort wie nur möglich zu erhalten. Wolf rechnet mit der Unterzeichnung der Verträge, mit denen Magna und seine russischen Partner bei einer Minderheitsbeteiligung von GM selbst übernehmen wird, in vier, fünf Wochen. Abgeschlossen sein dürfte die Transaktion nach seiner Einschätzung in etwa zwei Monaten. Opel droht allerdings noch juristisches Hickhack, da US-Anwälte gegen die Herauslösung der deutschen Tochter unmittelbar vor der bevorstehenden Insolvenz von GM klagen könnten. US-Präsident Barack Obama hat der Bundesregierung nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen einen fairen Interessenausgleich zu Opel zugesagt.

Auch politisch ist noch nicht alles im Reinen: Die Grünen betonten am Samstag, dass bei etwaigen Entscheidungen zu Staatshilfen und -bürgschaften der Haushaltsausschuss des Bundestags mit einbezogen werden müsse. „Risikostruktur und die Verantwortbarkeit staatlicher Hilfen müssen dem Parlament sofort detailliert erklärt und zur Diskussion gestellt werden“, erklärte Alexander Bonde, haushaltspolitischer Sprecher der Partei.

Der Ausschuss wisse bisher genauso viel wie die Öffentlichkeit über den Opel-Rettungsplan, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Otto Fricke (FDP) am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. „Deshalb brauchen wir eine Sondersitzung.“ Die Lösung, die einen Einstieg des Zulieferers Magna sowie einen staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro vorsieht, sei bisher nur in groben Zügen bekannt, kritisierte Fricke. „Ich kann das noch gar nicht richtig bewerten, weil wir es bisher nicht geschafft haben, dass die Bundesregierung uns mal gesagt, was genau die Details sind.“ Nach „gegenwärtigem Stand“ solle die Sondersitzung am Sonntag um 13 Uhr stattfinden.

Im monatelangen nervenaufreibenden Poker um Opel sind damit die wichtigsten Vorentscheidungen gefallen. "Ich kann ihnen sagen, dass eine Lösung gefunden worden ist, um Opel aufrecht zu halten", sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Samstagmorgen nach dem Spitzentreffen im Kanzleramt.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) trägt das Konzept trotz Bedenken mit: "Ich habe eine unterschiedliche Risikoeinschätzung als die an den Opel - Verhandlungen beteiligten Kollegen. Ich konnte daher dem Magna - Konzept bis zuletzt nicht zustimmen und habe eine Planinsolvenz als Neustart für Opel vorgezogen", heißt es in einer am Samstag in Berlin verbreiteten Erklärung des Ministers.

Er räumte ein, "dass auch eine Insolvenz derzeit nicht völlig risikofrei" wäre. "Die Bundesregierung kam in einer Gesamtschau auf alle - auch meine abweichenden - Risikoeinschätzungen zu anderen Ergebnissen, an deren Umsetzung ich mich gleichwohl verantwortungsvoll beteiligen werde." Nach Intormationen der „Bild am Sonntag“ stand sogar mehrmals zu Guttenbergs Rücktritt zur Debatte. Einzig Kanzlerin Merkel habe ihn von diesem abbringen können, ihm aber letztlich die Federführung entzogen.

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