Konzernspitze
Integrationsfigur für Conti und Schaeffler gesucht

Sollten Conti und Schaeffler zusammenwachsen, droht ein Vakuum an der Konzernspitze. Weder Conti-Chef Neumann, noch Schaeffler-Vorstand Geißinger gelten bei der jeweils anderen Seite als durchsetzbar. Die Suche nach einer Integrationsfigur hat längst begonnen.

HAMBURG. Der Aufsichtsrat von Continental bestätigte in seiner Sitzung am Montag in der Firmenzentrale in Hannover die Prüfung eines Zusammengehens des Zulieferers mit Großaktionär Schaeffler bis Ende Juli. Wesentliche Fragen bleiben jedoch offen. Ausgeklammert wurde Kreisen des Kontrollgremiums zufolge die umstrittene Frage der personellen Führung des gemeinsamen Konzerns unter dem Dach der Continental AG.

Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger gilt in Hannover als nicht vermittelbar. Immer klarer wird aber, dass die Schaeffler-Seite im Umkehrschluss Contis Chef Karl-Thomas Neumann für nicht durchsetzbar im eigenen Lager hält. „Der Prozess ist ergebnisoffen. Das gilt auch für die künftige Managementstruktur“, sagte ein Schaeffler-Sprecher. Gesucht wird eine Integrationsfigur. Neumann soll dann die Autozuliefersparte führen, Geißinger das Industriegeschäft.

Unklar ist zudem die Notwendigkeit für die mit 23 Mrd. Euro verschuldeten Autozulieferer, Staatshilfe zu beanspruchen. In Bankkreisen hieß es gestern, man wolle den Einsatz des Staats angesichts des öffentlichen Widerstandes möglichst vermeiden. Wie das Handelsblatt berichtete, plant Schaeffler eine Umtauschanleihe, unterlegt mit Conti-Aktien, die über mehrere Jahre läuft. Dazu sollen staatliche Bürgschaften bis zu drei Mrd. Euro kommen. „Es ist nichtmal eine Voranfrage an uns herangetragen worden“, sagte Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) gestern. Sein Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte zuletzt dagegen den Eindruck vermittelt, der Staat stehe bereit.

Ausgespart wurde im Conti-Aufsichtsrat auch eine Entscheidung über die neue Geschäftsordnung, die Conti-Chefaufseher Rolf Koerfer etablieren will. Der Rechtsanwalt und Schaeffler-Vertraute hält die Satzung aus der Zeit seines langjährig amtierenden Vorgängers Hubertus von Grünberg für aktienrechtlich unzureichend. Die Kontrolleure müssen laut Satzung nur dem Kauf von Firmen zustimmen. Koerfer will die Zuständigkeit erheblich ausweiten, um sich aktienrechtlich abzusichern.

In der Sitzung am Montag konnten sich die Kontrolleure nicht auf eine Geschäftsordnung einigen und übergaben das Thema an einen Ausschuss aus den eigenen Reihen, der zügig eine Lösung erarbeiten soll, wie das Handelsblatt erfuhr. Obwohl die Arbeitnehmerbank selbst mehr Kontrolle fordert, besonders bei der Schließung von Standorten, regte sich Widerstand gegen Koerfers weitreichende Pläne, die den Freiraum des Vorstands begrenzen würden.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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