Konzernsprache Englisch
„Volkswagen und deutsche Sprache passen nicht mehr zusammen“

Volkswagen will Englisch als Konzernsprache einzuführen. Das gefällt nicht jedem: Die Stiftung Deutsche Sprache verkauft aus Protest ihre Aktien. Die Sprachwächter machen damit sogar Gewinn.
  • 4

Berlin/WolfsburgAus Protest gegen die geplante Einführung von Englisch als Konzernsprache bei VW hat die Stiftung Deutsche Sprache ihre 200 Volkswagen-Aktien verkauft. „Die Wörter Volkswagen und deutsche Sprache passen leider nicht mehr zusammen“, sagte Vorstandssprecher Walter Krämer am Donnerstag einer Mitteilung zufolge in Berlin. „Ich bin entsetzt, wie bedenkenlos unsere Eliten ihre eigene Sprache und Kultur aufgeben.“

VW hatte vergangene Woche bekanntgegeben, dass Englisch künftig die Sprache des Konzerns sein werde. Dies soll Zugang und Zusammenarbeit von internationalen Spitzenkräften im Top-Management verbessern, wie Personalvorstand Karlheinz Blessing sagte. Krämer hält das für illusorisch. Internationale Führungskräfte seien problemlos in der Lage, die Sprache ihres Gastgeberlandes zu erlernen. Für die inneren Betriebsabläufe wiederum sei eine Fremdsprache sogar schädlich.

Die Stiftung griff zugleich das Land Niedersachsen als Volkswagen-Großaktionär an. Es habe „die Flucht des größten Arbeitgebers im Lande aus der Landessprache nicht verhindert“.

Die Stiftung hatte die 200 Aktien kurz nach Bekanntwerden des Abgasskandals für je 100 Euro gekauft und am Mittwoch für je 137 verkauft. Das ergibt einen Gewinn von 7.400 Euro. Nun wolle man bis zum nächsten Börsencrash warten und dann wieder investieren, sagte Krämer – allerdings nicht in Volkswagen-Papiere.

Der Verein Deutsche Sprache vergibt unter anderem den Negativpreis „Sprachpanscher des Jahres“. 2016 wurde das ZDF wegen der Verwendung von englischen Wörtern in Sendungstiteln zum neuesten „Sprachpanscher“ bestimmt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Konzernsprache Englisch: „Volkswagen und deutsche Sprache passen nicht mehr zusammen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @Peter Spiegel
    Inzwischen habe ich schon zwei Doppelgänger hier in den Kommentarbereichen. Bin mal gespannt, wieviele das noch werden...viel Feind - viel Ehr ;)
    Und noch eines, wer mich hier schon länger kennt, der weis, wie ich etwas Schreibe und Formuliere...also, der weis, wie der "Richtige" Mark Hoffmann gestrickt ist.
    Ich werde nie aufhören zu kommentieren. der Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr ist meine persönliche Verpflichtung, was auch sonst.
    Schade ist nur, dass man am Wochenende nicht kommentieren darf
    Danke!

  • Ich verstehe nicht ganz, welche Relevanz eine selbsternannte Stiftung Deutsche Sprache für VW haben soll. Ein Aktienpaket von 200 Aktien ist auch nicht weltbewegend. Schön für die Stiftung, wenn sie es jetzt mit Gewinn verkauft, aber dann davon zu schwadronieren, dass sie auf den nächsten Crash warten würden, um es wieder zu investieren (aber ja nicht in VW!) zeugt von einer großen Unkenntnis in Finanzangelegenheiten. Mir wäre es lieber, man würde die ideologische Nähe der Stiftung und des Vereins Deutsche Sprache zu reaktionären politischen Strömungen hervorheben und deren Anmasung, das Unwort des Jahres zu benennen entweder totschweigen oder angemessen kritisieren. Auch die wiederholten Versuche der SDS und des VDS, Anglizismen zu unterbinden wären an den Pranger zu stellen: intolerant, borniert, kurzsichtig, reaktionär und dumm. Wer dabei an die AfD denkt, liegt sicher nicht ganz falsch, die Nähe ist evident, die Verflechtungen wären von einer investigativen Presse aufzudecken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%