Konzernumbau bei VW
Gericht bestellt Pötsch in den Aufsichtsrat

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch kann an die Spitze des Aufsichtsrats aufsteigen. Am Mittwoch ernannte ihn das Amtsgericht Braunschweig zum Mitglied des Gremiums. Noch heute soll er zum Vorsitzenden gewählt werden.

Braunschweig/WolfsburgDer Wahl von VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates von Europas größtem Autobauer steht nichts mehr im Wege. Das Amtsgericht Braunschweig hat am Dienstag dem Antrag des VW-Präsidiums entsprochen und Pötsch per Beschluss zum Mitglied des Kontrollgremiums ernannt.

Dessen Bestellung sei zunächst aber nur befristet bis zur nächsten, noch nicht terminierten VW-Hauptversammlung, teilte das Gericht mit. Dort soll dann - wie bereits von Aktionärsvertretern verlangt – die offizielle Wahl Pötschs durch die stimmberechtigten Anteilseigner nachgeholt werden.

Damit der in Wolfsburg tagende VW-Aufsichtsrat Pötsch noch am Mittwoch zum Nachfolger des im Frühjahr abgetretenen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch wählen kann, muss der Gerichtsbeschluss dem Gremium zunächst offiziell zugestellt werden. Um dies sicherzustellen, sollte ihn noch am Vormittag ein Bote nach Wolfsburg bringen.

Für Pötsch muss auf der Kapitalseite des Aufsichtsrates Julia Kuhn-Piëch ihren Platz räumen. Die Nichte von Ferdinand Piëch war im Mai nach dessen Rücktritt übergangsweise in das Gremium aufgerückt.

Die Wahl Pötschs ist aber nur ein Punkt auf der langen Themenliste rund um die Abgas-Krise, mit der sich der Aufsichtsrat befassen muss. Am Morgen hatte sich nach dpa-Informationen noch vor dem Treffen des 20-köpfigen Kontrollgremiums das ihm vorgeschaltete Präsidium zu Beratungen in Wolfsburg getroffen.

In beiden Sitzungen wollen die VW-Kontrolleure die nächsten Schritte zur Bewältigung des Manipulations-Skandals bei rund elf Millionen Dieselautos beraten. Wie lange die Gespräche dauern werden, ist unklar.

Obwohl die Personalie Pötsch sowohl im Konzern als auch im Aufsichtsrat nicht unumstritten ist, gilt dessen Wahl an die Spitze als reine Formalie, wie aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war.

Kritiker, zu denen auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zählt, sehen in Pötsch den falschen Kandidaten zur Aufarbeitung der Abgas-Krise, da nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei, dass er keine persönliche Verantwortung für Verfehlungen in der Affäre trage. Der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, sagte jedoch, der „Notstand“ der aktuellen Krise rechtfertige die Nominierung Pötschs auch ohne Wahl – „mit Bauchschmerzen, aber eben ohne Alternative“.

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