Konzernumbau Daimler startet die Neuaufstellung

Daimler bringt die Umstrukturierung des Konzerns auf den Weg. Dafür will der Autobauer zunächst einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Noch ist aber keine endgültige Entscheidung gefallen.
Update: 16.10.2017 - 14:26 Uhr Kommentieren
Daimler bringt Konzernumbau auf den Weg Quelle: dpa
Daimler-Chef Dieter Zetsche

Die neue Konzernstruktur könnte frühestens von der Hauptversammlung 2019 abgesegnet werden.

(Foto: dpa)

StuttgartDaimler hat die im Sommer angekündigte Umstrukturierung des Konzerns eingeläutet. Der Konzern könnte künftig aus den drei rechtlich selbstständigen Einheiten Mercedes-Benz Pkw, Nutzfahrzeuge und Finanzdienstleistungen bestehen, erklärte das Unternehmen am Montag. Der Vorstand will zunächst einen dreistelligen Millionenbetrag in die Vorbereitungsarbeiten investieren.

Um profitabel und wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse sich Daimler schnell an neue Rahmenbedingungen anpassen können, erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche. Es dauert allerdings noch, bis der Dax-Konzern agiler wird: Ein endgültiger Beschluss wäre nach eingehender Prüfung frühestens auf der Hauptversammlung 2019 möglich. Zunächst sollen externe Berater alle rechtlichen und steuerlichen Fragen klären.

Derzeit besteht Daimler aus fünf Divisionen: Daimler Financial Services, Pkw, Vans, Lkw und Busse arbeiten nebeneinander unter dem Konzerndach. Künftig werden die Vans der Pkw-Sparte zugeschlagen, die Busse den Lkws. Die geplanten drei unabhängigen Einheiten sollen mehr unternehmerische Verantwortung bekommen, erklärte Daimler. Dadurch sollen sie stärker wachsen, investieren und mehr Gewinn machen können. „Mit dem Projekt ermöglicht Daimler zielgerichtete Kooperationen und Partnerschaften“, hieß es weiter. Insidern zufolge könnten die drei Sparten eigenständige Aktiengesellschaften sein. Gegenseitige Beteiligungen mit anderen Unternehmen, etwa aus der IT-Branche, wären durch einen Aktientausch dann einfacher möglich als heute, wo ein Partner mit einer Daimler-Aktie sich am ganzen Konzern beteiligt.

Das sind die Renditekönige der Autowelt
Platz 10 - Hyundai - Ebit-Marge: 5,3 Prozent
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Die Rendite der Koreaner hat in den ersten neun Monaten kräftig gelitten. 2,99 Milliarden Euro Gewinn bedeuten neun Prozent weniger als im Vorjahr. Das reicht allerdings immer noch für die Top Ten – allerdings nur, weil die französischen Konzerne Renault und PSA nicht in der Statistik auftauchen. Die Franzosen machten im dritten Quartal keine Ebit-Angaben.

Quelle: EY, Stand: 1.-3. Quartal 2017

Platz 9 - Honda - Ebit-Marge: 5,4 Prozent
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Die Japaner haben ihren Gewinn in den ersten drei Quartalen um neun Prozent auf 4,78 Milliarden Euro gesteigert. Bei der Marge hat Honda damit deutliche Fortschritte gemacht.

Platz 8 - FCA - Ebit-Marge: 5,7 Prozent
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Die Italiener haben mit Jeep eine unschlagbare Gewinnmaschine im Konzern. Ein Plus von 22 Prozent in den ersten neun Monaten spricht eine deutliche Sprache. Der Gewinn von Fiat-Chrysler stieg auf 4,65 Milliarden Euro.

Platz 7 - Nissan - Ebit-Marge: 5,7 Prozent
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Anders als die Schwester Renault verläuft das Jahr für Nissan dürftig. Der Absatz stagniert, der Gewinn ist sogar um fünf Prozent auf 4,19 Milliarden Euro eingebrochen. Im Branchenvergleich ist das aber immer noch in Ordnung.

Platz 6 - Volkswagen - Ebit-Marge: 6,2 Prozent
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Der Schein trügt. Die Marge des VW-Konzerns fällt im Vergleich mit der Konkurrenz zwar gut aus – doch das geht vor allem auf die Kappe der Premiummarken Audi und Porsche. Die Kernmarke VW erwirtschaftet bestenfalls unterdurchschnittliche Renditen. Dank überwundener Dieselkrise steigt der Gewinn in den ersten neun Monaten trotzdem um satte 23 Prozent auf 10,64 Milliarden Euro.

Platz 5 - Toyota - Ebit-Marge: 7,1 Prozent
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Für den erfolgsverwöhnten Branchenprimus lief das Jahr bislang durchwachsen – vor allem, weil die Japaner großen Wert auf ihre Profitabilität legen. Der Gewinn sank aber um acht Prozent auf 12,34 Milliarden Euro. Das ist allerdings in absoluten Zahlen immer noch der höchste Gewinn in der Industrie.

Platz 4 - General Motors - Ebit-Marge: 7,5 Prozent
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Mary Barra regiert beim US-Autobauer mit eiserner Hand – und richtet ihn gnadenlos auf Effizienz aus. Wegen Verlusten aus dem Opel-Verkauf sank der Gewinn in den ersten neun Monaten damit um sechs Prozent auf 7,27 Milliarden Euro.

Wie alle Automobilkonzerne muss Daimler massiv in die Trends autonomes Fahren, Elektromobilität und digitale Dienste investieren. Partnerschaften mit Firmen aus der IT-Branche sind schon heute an der Tagesordnung. Wie sich der Dax-Konzern unter diesen Bedingungen derzeit schlägt, werden die für Freitag erwarteten Quartalszahlen zeigen.

Spekulationen, damit werde eine Abspaltung des Nutzfahrzeuggeschäfts und ein Verkauf vorbereitet, erteilte der Konzern erneut eine Absage. „Es ist nicht geplant, dass sich die Daimler AG von einzelnen Geschäftsbereichen trennt“, hieß es dazu. Ob damit auch Teilbörsengänge der Töchter ausgeschlossen sind, ist offen. Analysten wie Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI fordern schon länger eine Aufspaltung des Konzerns, um den Börsenwert des Dax-Konzerns zu steigern. „Natürlich schaffen separate rechtliche Einheiten alleine noch keinen höheren Shareholder Value. Daimler müsste den nächsten Schritt gehen und seine Einheiten alle oder teilweise an die Börse bringen“, schrieb Ellinghorst. Die Aktie legte am Montag in einem schwachen Marktumfeld zeitweise um mehr als ein Prozent zu.

Auch Sorgen der rund 170.000 Beschäftigten der Daimler AG vor Stellenstreichungen oder um ihre Betriebsrenten will der Autobauer nicht aufkommen lassen. „Mit dem Projekt verfolgt der Konzern weder ein Spar- noch ein Effizienzprogramm oder gar die Absicht, Arbeitsplätze abzubauen“, erklärte das Unternehmen. Die drei Geschäftsfelder hätten ihren Sitz weiterhin in Deutschland.

In einem Eckpunktepapier zum Interessenausgleich für die Mitarbeiter sei die Beschäftigungssicherung von 2020 bis Ende 2029 verlängert worden. Das sei der längste bislang vereinbarte Zeitraum mit einem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, erklärte der Daimler-Betriebsrat. „Eine Umstrukturierung macht nur dann Sinn, wenn es die Zukunftsfähigkeit der deutschen Standorte festigt und damit den Beschäftigten mehr Sicherheit gibt“, sagte Betriebsratschef Michael Brecht. Die Sparten-AGs blieben an die Tarife der Metallindustrie gebunden.

Im vierten Quartal sollen drei Milliarden Euro aus liquiden Mitteln in das Pensionsvermögen von Daimler in Deutschland eingezahlt werden. Ziel sei es, 90 Prozent der Ansprüche auf Betriebsrenten abzudecken, erklärte ein Konzernsprecher. Den Aktionären wäre es sicher lieber, wenn das Geld ins laufende Geschäft gesteckt würde, erklärte Analystin Kristina Church von der Investmentbank Barclays. Es sei außerdem eine „schlechte Nachricht“, dass der Konzernumbau bis 2019 dauere.

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