Konzernumbau
Evonik setzt auf das Chemiegeschäft

Drei Jahre nach der Unternehmensgründung versucht der Essener Konzern Evonik sich auf eine Sparte zu konzentrieren: die Spezialchemie. Es sind nach Einschätzung von Branchenkennern nicht zuletzt wirtschaftliche Zwänge, die es für den Mischkonzern nahelegen, seine beiden anderen Sparten Energie und Immobilien für externe Investoren zu öffnen.
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FRANKFURT. Der Mischkonzern Evonik hat die Weichen für eine stärkere Konzentration auf das Chemiegeschäft gestellt. Die Geschäftsfelder Energie (Steag) und Immobilien will Konzernchef Klaus Engel künftig nur noch als weitgehend selbstständige Beteiligungen führen. Einen entsprechenden Strategiewandel billigte nach Handelsblatt-Informationen am Mittwoch der Aufsichtsrat des Unternehmens. Ziel ist es, auf diese Weise zusätzlichen finanziellen Spielraum für Ausbau und Neuausrichtung der Chemiegeschäfte zu gewinnen, hieß es in Aufsichtsratskreisen.

„Evonik allein würde nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, um alle drei Geschäftsfelder weiter auszubauen“, sagt ein Experte aus der Chemiebranche. Hintergrund ist zum einen die Konjunkturflaute, die auch die Ertragskraft des Essener Konzerns gedämpft hat. Zum anderen spielt aber auch die Struktur der Geschäfte eine Rolle.

Der Konzern, der 2006 durch Ausgliederung des „weißen Bereichs“ aus dem Ruhrkohle-Konzern entstand und noch zu knapp 75 Prozent der RAG-Stiftung gehört, nimmt damit Abschied von seiner bisherigen Ausrichtung als Mischkonzern und leitet den Wandel zum reinrassigen Spezialchemiehersteller ein.

Viele Branchenkenner betrachten diesen Strategiewechsel als logischen Schritt für den Essener Konzern. Denn die drei Geschäftsbereiche sind durch keinerlei Synergien miteinander verzahnt. Zusätzlichen Druck dürfte die Konjunkturkrise ausgeübt haben. Zwar konnte das Management die starken Umsatzeinbußen seit Herbst 2008 durch relativ umfangreiche Kostensenkungsprogramme deutlich abfedern. Insgesamt liefert das operative Geschäft aber weniger Ressourcen für den weiteren Ausbau der Chemie als ursprünglich geplant.

Sowohl die Chemie als auch das Energiegeschäft sind relativ kapitalintensiv und erfordern hohe Investitionen. In den vergangenen drei Jahren investierte der Essener Konzern mehr als drei Mrd. Euro in Sachanlagen und damit mehr als er an Cash-Flow im operativen Geschäft erwirtschaftete. Selbst unter günstigen Konjunkturbedingungen wäre ein solcher Kurs auf Dauer kaum durchzuhalten – zumal mit CVC ein Minderheitseigner an Bord ist, der eher an hohen Ausschüttungen und an einer möglichst schnellen Börsenreife interessiert ist.

Die Konjunkturflaute hat ab Herbst 2008 auch beim Evonik-Konzern deutliche Spuren hinterlassen und zu heftigen Einbußen geführt. Allerdings gelang es dem Management unter dem neuen Vorstandschef Klaus Engel, relativ schnell gegenzusteuern. Ein zu Jahresbeginn eingeleitetes Sparprogramm bringt offenbar deutlich mehr als die anvisierten 300 Mio.

Für die ersten neun Monate verbuchte der Konzern bei 9,56 Mrd. Euro Umsatz (minus 21 Prozent) zwar einen Rückgang des operativen Gewinns um gut ein Drittel auf 735 Mio. Euro und des Nettogewinns um 60 Prozent auf 261 Mio. Euro. Im dritten Quartal allein konnte der Konzern das Betriebsergebnis jedoch um ein Drittel und das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) um 18 Prozent verbessern. In den ersten neun Monaten konnte er so den Rückgang beim Ebitda auf 19 Prozent begrenzen und die operative Marge auf 15 Prozent verbessern.

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