Konzernumbau
Historischer Einschnitt bei Siemens

Der Aufsichtsrat von Siemens hat am Mittwoch die Pläne von Vorstandschef Peter Löscher für den Konzernumbau genehmigt. Vorgesehen ist unter anderem die Verkleinerung des Vorstandes und eine Neustrukturierung der Geschäftsbereiche. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zu den geplanten Änderungen.

Wird der Konzernumbau Siemens grundlegend verändern?

Keine Frage, ja. Die jetzige Neuordnung hat in ihrer Dimension eigentlich nur ein historisches Beispiel: die Umformung der drei selbstständigen Tochtergesellschaften von Siemens zur Siemens AG im Jahr 1966. Insofern wird es ab 1. Januar 2008 eine Art neue Siemens AG geben.

Was sind Eckpunkte der Reform?

Bislang hat sich Siemens eine sehr eigenständige, manche sagen auch sonderbare Organisation geleistet. Das Unternehmen gliederte sich in zuletzt zehn operativ weitgehend eigenständige Bereiche. Darüber thronte der Zentralvorstand, formal nur ein Ausschuss des Vorstands, de facto aber das Machtzentrum von Siemens. Die Zentralvorstände selbst waren operativ nicht verantwortlich, sollten aber einzelne Bereiche und Regionen "betreuen“. Insofern hatten die Konzernoberen nur bedingt Durchgriff auf die Vorgänge in den Bereichen. Daher machen nicht wenige Kenner innerhalb und außerhalb des Unternehmens die alte Struktur mitverantwortlich für das Ausmaß an Schattenwirtschaft, die der Schmiergeldskandal zutage gefördert hat.

Kritiker des neuen Systems behaupten, die drei neuen Großbereiche seien nicht steuerbar?

Das klingt auf den ersten Blick nicht unplausibel. Löscher macht aus zehn Bereichen drei. Der größte, der Industriebereich, kommt auf einen Weltumsatz von 40 Mrd. Euro und versammelt heterogene Geschäfte wie die Automatisierung oder die Lichtsparte (Osram). Andererseits werden die Bereiche von verantwortlichen CEOs geführt, die jetzt Mitglied im Konzernvorstand sind. Das heißt, das operative Geschäft wandert direkt ins Machtzentrum. Hinzu kommt, dass die Konzernvorstände für Recht, Finanzen und Forschung künftig direkte Berichtslinien in die Bereiche haben, auch das kann eine Optimierung der Entscheidungswege bedeuten.

Welche Ratio steckt dahinter?

Zum einen natürlich die Konsequenz aus der Erschütterung, die der Schmiergeldskandal ausgelöst hat. Manch einer spricht von der "organisierten Unverantwortlichkeit in der alten Ordnung. Zum anderen aber, und da ist Peter Löscher ein klarer "Diener seines Herrn“, des Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, und setzt die Vorgaben in die Tat um, Siemens transparenter, weniger komplex, schneller und effizienter zu machen.

Seite 1:

Historischer Einschnitt bei Siemens

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%